Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Dr. Christian Freuding hat beim Parlamentarischen Abend des Förderkreises Deutsches Heer am 7. Oktober 2026 im Reichstagspräsidentenpalais in Berlin eine weitere Grundsatzrede gehalten: Dabei hat er u.a. auch den Sachstand bei den für die zukünftige Operationsführung des Heeres u.a. priorisierten Handlungsfeldern angesprochen — auf Seite 5 seines Redetextes “Elektromagnetischer Kampf aller Truppen” und auf Seite 6 f. “Digitale Führungsfähigkeit mit KI-Unterstützung”. Darüber hinaus hat er auf Seite 6 im Zusammenhang mit dem zukünftigen Drohnenregiment der 10. PzDiv auf dessen Kompanie zum Elektronischen Kampf hingewiesen. Des Weiteren hat er auf Seite 7 insgesamt weiterhin kritische Anmerkungen zum Sachstand der laufenden Einsatzprüfung mit D‑LBO sowie dessen Muster- und Serienintegration gemacht. Außerdem hat er auf Seite 14 seines Redetextes u.a. Gefechtsstandausstattung und das Projekt “Brigadegefechtsstand” als eines der Beispiele aufgeführt, bei denen er insbesondere die Geschwindigkeit ihrer Realisierung für unzureichend hält.
Lesen Sie dazu hier diese Grundsatzrede: Rede anlässlich des Parlamentarischen Abends Förderkreis Deutsches Heer am 7. Oktober 2026 im Reichstagspräsidentenpalais, Berlin
Anmerkungen der Redaktion:
1 — In der vergleichsweise sehr kurzen Passage zum Handlungsfeld “Elektromagnetischer Kampf aller Truppen” werden integrierte® Schutz, Wirkung und Möglichkeit zur Täuschung im elektromagnetischen Spektrum ab Verbandsebene als Voraussetzungen für taktischen Erfolg angesprochen, wobei mit dem “Koffer EK, verlegefähig” (“KEver”) eine querschnittliche Anfangsbefähigung zumindest zur elektromagnetischen Verteidigung — zunächst vor allem in der PzBrig 45 “Litauen” — erreicht werden soll. Für das volle Spektrum des Elektromagnetischen Kampfes sei aber eine deutlich umfangreichere materielle Ausstattung erforderlich, die dringend auf den Weg gebracht werden müsse.
Die hier geforderten integrierten Fähigkeiten zu Schutz, Wirkung und Möglichkeit zur Täuschung im elektromagnetischen Spektrum ab Verbandsebene stehen offensichtlich in Zusammenhang mit dem Konzept, vor den eigentlichen, entscheidungssuchemden Operationen der Lanstreitkräfte u.a. einen elektromagnetischen “Schutzschirm” um die eigenen Kräfte aufzubauen und dann u.a. den elektromagnetischen “Schutzschirm” der gegnerischen Kräfte niederzuhalten bzw. auszuschalten. Die in diesem Zusammenhang angesprochene querschnittliche Anfangsbefähigung zumindest zur elektromagnetischen Verteidigung mit dem sogenannten “Koffer EK, verlegefähig” (“KEver”) deutet vermutlich darauf hin, daß damit Angriffe mit Drohnen rechtzeitig im elektromagnetischen Spektrum erkannt sowie durch Störung oder Täuschung im elektromagnetischen Spektrum abgewehrt werden sollen.
Einzelheiten zu Funktionsweise und Leistungsdaten des “Koffer EK, verlegefähig” (“KEver”) konnten in öffentlich zugänglichen Quellen (bisher) nicht eruriert werden, jedoch ist aufgrund des (bisher) auf Verbandsebene nicht vorhandenen — und auch zukünftig absehbar nicht verfügbaren — EloKa-Fachpersonals davon auszugehen, daß dieser (weitgehend) automatisiert oder automatisch funktionieren muß, d.h. Warnung vor bzw. bei Drohnenangriffen und dann Störung oder Täuschung im elektromagnetischen Spektrum.
Auch die Kompanie zum Elektronischen Kampf des zukünftigen Drohnenregiments ist in diesem Gesamtzusammenhang zu sehen, wobei hier öffentlich zugänglichen Quellen nur zu entnehmen ist, daß diese dazu dienen soll, gegnerische (Drohnen-)Steuersignale zu stören, feindliche Drohnen elektronisch “abzufangen” und die eigenen (Drohnen-)Systeme gegen (gegnerisches) “Jamming” “abzusichern”, aber (noch) nichts Konkretes zu Gliederung und materieller Ausstattung, wobei jedoch davon auszugehen ist, daß diese Kompanie eine über o.a. “Koffer EK, verlegefähig” (“KEver”) hinausgehende Ausstattung mit Großgerät — und möglicherweise auch EloKa-Fachpersonal — verfügen wird.
In beiden Fällen wird es auch interessant werden, wie diese zukünftigen Fähigkeiten des Heeres zum “Elektromagnetischen Kampf aller Truppen” mit den Fähigkeiten der auf Brig‑, Div- und Korpsebene eingesetzten EloKa-Kräfte der TSK CIR zusammenwirken sollen.
2 — Zum Sachstand der noch laufenden Einsatzprüfung mit D‑LBO hat Generalleutnant Dr. Freuding zwar geäußert, daß man von ihm jetzt keine Zwischenzeiten oder Prognosen für den “Zieleinlauf” der Einsatzprüfung hören werde, aber allein die Tatsache, daß man am 7. Oktober 2026 noch um das Erreichen der für ihn unverrückbaren Leistungskriterien habe ringen müssen, ist nicht nur unbefriedigend, sondern lässt hinsichtlich der offenbar immer noch nicht erreichten Fortschritte tief blicken.
Ebenso seien die Fort- und Aufholschritte bei Muster- und Serienintegration unzureichend, was dazu führen werde, daß selbst dann, wenn die Einsatzprüfung erfolgreich abgeschlossen werden kann, ein nicht unerheblicher Anteil der Forward Land Forces-Brigade (= bisher PzGrenBrig 37 “Freistatt Sachsen”, ab Ende 2027 PzBrig 45 “Litauen”) nur über eine Mischbetriebsausstattung als „Behelfslösung“ verfügen wird.
Sein Maßstab bleibe deshalb auch klar: D‑LBO muß funktionieren – beim Fahren, Funken und Schießen, robust und verlässlich, nicht nur bei Schönwetter. Nur dann werde das Heer die Erklärung der Übernahmebereitschaft verantworten können.
3 — Als eines der Beispiele, bei denen er insbesondere die Geschwindigkeit ihrer Realisierung für unzureichend hält, hat er Gefechtsstandausstattung und das Projekt “Brigadegefechtsstand” aufgeführt: Hierbei kritisiert er insbesondere die Vielzahl von unterschiedlichen — aus seiner Sicht offensichtlich übertriebenen, zum Teil an zivilen Vorschriften für Arbeitsräume orientierten — Anforderungen, die dazu führen würden, daß das Projekt “Brigadegefechtsstand” nicht vor 2027 fertig werde, obwohl bereits seit mindestens 2020 daran gearbeitet werde.”