Ein Autor namens prinz will mit einem KI-Modell eine deutsche Militärchiffre von 1918 entschlüsselt haben, die bislang als unlösbar galt.
Lesen Sie dazu bei Golem.de: 107 JAHRE UNGELÖST: KI knackt deutschen Funkspruch aus dem Ersten Weltkrieg
Ergänzend dazu hier noch der dieser o.a. Meldung zugrundeliegende englischsprachige Blog-Beitrag von “PRINZ” bei prinzai.com: GPT‑6 Astra Solves a WWI German Radio Cipher
Darüber hinaus hier auch noch die deutsch- und englischsprachigen Wikipedia-Einträge zum ADFGX- bzw. ADFGVX- Verfahren sowie zu dessem “Erfinder”: Fritz Nebel: deutscher Nachrichtenoffizier
Anmerkungen der Redaktion:
Das deutsche ADFGX- bzw. ADFGVX- Verfahren zur Verschlüsselung von Funksprüchen — im deutschen Heer als „Geheimschrift der Funker 1918“, kurz: „GedeFu 18“ bezeichnet — wurde ab 1. März 1918 zunächst nur an der Westfront bzw. ab 1. Juni 1918 auch an der Ostfront eingesetzt. Sein “Erfinder” war der damalige Leutnant Fritz Nebel (1891 — 1977), der 1961 als Oberst a.D. an den ersten Vorbesprechungen zur Gründung des Fernmelderings e.V. beteiligt war.
Einzelheiten des ADFGX- bzw. ADFGVX- Verfahren sind in der o.a. Meldung und in dem o.a. Blog-Beitrag bzw. den beiden Wikipedia-Einträgen beschrieben, wobei in der o.a. Meldung merkwürdigerweise das ADFGX-Verfahren erläutert wird, obwohl der entzifferte Funkspruch nach dem ADFGVX- Verfahren verschlüsselt war.
Entscheidend für die “Entzifferung” dieses Funkspruchs war angeblich die Ermittlung des gültigen (Transpositions-)Kenn- bzw. Schlüsselwortes — hier: “Truppenverschiebung”, das dann seine Entschlüsselung ermöglichte — insofern war dies keine klassische Entzifferung mit kryptoanalytischen Methoden, sondern nach Ermittlung des gültigen Kenn- bzw. Schlüsselwortes mit “brute force” lediglich eine Entschlüsselung wie durch die Adressaten dieses Funkspruchs.
Diese Ermittlung des gültigen Kenn- bzw. Schlüsselwortesaus der Liste der bekannten Kenn- bzw. Schlüsselworte in diesem Zeitraum (November/Dezember 1918) durch “Ausprobieren”, ob sich damit ein lesbarer Klartext ergibt, ist jedoch als die eigentliche KI-Leistung zu bewerten, zumal das verwendete Kenn- bzw. Schlüsselwort in diesem Fall bereits 13 Tage vor seinem Gültigkeitstermin genutzt wurde — die zufällige Übereinstimmung dieser 13 Tage mit der Differenz zwischen gregorianischem und julianischem Kalender in 1918 ist aber keine Erklärung hierfür, weil es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass man deutscherseits diese Kalenderdifferenz bei der Gültigkeit der Kenn- bzw. Schlüsselworte als zusätzlichen Sicherheitsfaktor benutzte.
Denn das hätte bedeutet, am 27. November nach gregorianischem Kalender so zu tun, als sei es der 27. November nach julianischem Kalender, d.h. 9. Dezember nach gregorianischem Kalender, um dann das Kenn- bzw. Schlüsselwort für diesen zu verwenden …
Bemerkenswert ist allerdings, dass überhaupt noch am 27. November ein verschlüsselter Funkspruch versendet wurde, obwohl bereits seit 11. November 1918 Waffenstillstand herrschte — offenbar war im Gegensatz zur deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 verschlüsselter militärischer Funkverkehr nicht verboten, während ziviler Funkverkehr nur offen abgewickelt werden durfte …
Inzwischen gibt es übrigens einen weiteren englischsprachigen Blog-Beitrag von “PRINZ” zur Lösung eines weiteren ADFGVX-Funkspruchs unter Another WWI German Radio Cipher Falls to GPT‑6 Astra