Informations-Stele zu General der Nachrichtentruppe Erich Fellgiebel und zum 20. Juli 1944 sowie zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Berlin-Steglitz enthüllt

Vor sei­nem frü­he­ren Wohn­haus in der Wran­gel­stra­ße 10 in Ber­lin-Ste­glitz wur­de am 18. Dezem­ber 2025 eine Gene­ral der Nach­rich­ten­trup­pe (Gen­Nach­rTr) Erich Fell­gie­bel – einem Gene­ral der Wehr­macht und Ange­hö­ri­gen des mili­tä­ri­schen Wider­stan­des gegen Hit­ler, der von 1938 bis 1942 hier gewohnt hat­te – gewid­me­te Infor­ma­ti­ons-Ste­le fei­er­lich ent­hüllt. Die­se Ste­le ist eine von inzwi­schen 31 regio­nal­his­to­ri­schen Infor­ma­ti­ons-Ste­len in Ste­glitz-Zehlen­dorf. 

In ihrer Rede zur Ein­wei­hung der Ste­le mahn­te sei­ne Enke­lin, Bar­ba­ra Fell­gie­bel, die Erin­ne­rung wach­zu­hal­ten: „Wir müs­sen dafür sor­gen, daß die Akteu­re des Wider­stands nicht ver­ges­sen wer­den. Sie leh­ren uns, was Zivil­cou­ra­ge und Mut bedeu­tet. Möge die Ste­le dazu bei­tra­gen, denn Geschich­te wie­der­holt sich“, so die 1950 Gebo­re­ne.


Regel­mä­ßig zum Gabri­elstag am 29. Sep­tem­ber und bei der Ver­ga­be der Gene­ral-Fell­gie­bel-Medail­le spricht sie in der Gene­ral-Fell­gie­bel-Kaser­ne in Pöcking über ihren Groß­va­ter: Dank sei­ner Funk­ti­on in der Nach­rich­ten­trup­pe konn­te Gen­Nach­rTr Fell­gie­bel nach dem Atten­tat auf Hit­ler am 20. Juli 1944 die Kom­mu­ni­ka­ti­on aus dem Füh­rer­haupt­quar­tier „Wolfs­schan­ze“ in Ost­preu­ßen zeit­wei­se unter­bre­chen – ein ent­schei­den­der Bei­trag zum geplan­ten Staats­streich. Nach dem Schei­tern des Atten­tats wur­de er fest­ge­nom­men, vom Volks­ge­richts­hof zum Tode ver­ur­teilt und am 4. Sep­tem­ber 1944 in Ber­lin-Plöt­zen­see hin­ge­rich­tet. Sei­ne Zivil­cou­ra­ge und Loya­li­tät gegen­über sei­nen Mit­ver­schwö­rern mach­ten ihn zu einem Sym­bol des mili­tä­ri­schen Wider­stands

2019 hat­te sie zum ers­ten Mal das Haus ihres Groß­va­ters in der Ber­li­ner Wran­gel­stra­ße besucht und sich seit­dem dort für einen Gedenk­ort ein­ge­setzt.
Die neue zwei­sei­ti­ge regio­nal­his­to­ri­sche Infor­ma­ti­ons­ste­le vor die­sem Haus wur­de durch die Uren­ke­lin­nen von Gen­Nach­rTr Fell­gie­bel ent­hüllt. Zu den Red­nern/-innen bei die­ser Ver­an­stal­tung gehör­ten u.a. die Ber­li­ner Staats­se­kre­tä­rin für Kul­tur, Cers­tin Rich­ter-Kotow­ski und die Bezirks­stadt­rä­tin für Bil­dung, Kul­tur und Sport, Mal­gorza­ta Sij­bran­dij.

Text und Fotos: Cor­ne­lia Rie­del; redak­tio­nell über­ar­bei­tet durch Oberst a.D. Peter Uffel­mann.


Anmer­kun­gen und Hin­wei­se der Redak­ti­on:
Form, Far­be und Inhalt der o.a. Infor­ma­ti­ons-Ste­le wur­den ohne Betei­li­gung der Bun­des­wehr oder des Aus­bil­dungs­zen­trums Cyber- und Infor­ma­ti­ons­raum (Aus­bZ CIR) fest­ge­legt – Autor des Tex­tes zu Gen­Nach­rTr Erich Fell­gie­bel und zum 20. Juli 1944 auf ihrer Vor­der­sei­te ist Lars-Bro­der Keil, seit 2019 Lei­ter des Unter­neh­mens­ar­chivs des Axel-Sprin­ger-Ver­lags und Autor zu u.a. zeit­ge­schicht­li­chen The­men; auf ihrer Rück­sei­te wird zum Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus im Ber­li­ner Bezirk Ste­glitz-Zehlen­dorf infor­miert, wo auch wei­te­re am 20. Juli betei­lig­te Sol­da­ten leb­ten – neben Oberst Claus Schenk Graf von Stauf­fen­berg auch Gene­ral­oberst Lud­wig Beck, Major d.R. Cäsar von Hof­acker, Gene­ral der Infan­te­rie Fried­rich Olbricht und Ober­leut­nant d.R. Wer­ner von Haef­ten.


Die Aus­sa­ge im Stel­en­text von Lars-Bro­der Keil, daß Gen­Nach­rTr Fell­gie­bel im Ers­ten Welt­krieg das Ver­sa­gen der Nach­rich­ten­trup­pe (Nach­rTr) erleb­te, die übri­gens bis 1917 noch Tele­gra­phentrup­pe hieß, ist zumin­dest eine sehr star­ke Ver­kür­zung, da sich das “Ver­sa­gen” im Wesent­li­chen nur auf den Beginn des 1. Welt­kriegs im Rah­men des deut­schen Vor­mar­sches an der West­front bezie­hen kann und eigent­lich auch kein Ver­sa­gen der Tele­gra­phentrup­pe war, die leis­te­te, was sie auf­grund ihrer Orga­ni­sa­ti­on und tech­ni­schen Aus­stat­tung leis­ten konn­te, son­dern der Füh­rung der Tele­gra­phentrup­pe bzw. sogar noch mehr der Obers­ten Hee­res­lei­tung bzw. des Gene­ral­sta­bes des Hee­res, die sich vor­her kaum bzw. kei­ne Gedan­ken über die Füh­rung der­art weit­räu­mi­ger Ope­ra­tio­nen gemacht hat­ten bzw. der Mei­nung waren, man kön­ne die­se wie in den Kai­ser­ma­nö­vern über­wie­gend nur per Tele­fon füh­ren.
Spä­tes­tens ab 1915/16 kann von einem “Ver­sa­gen” erst recht nicht mehr die Rede sein, weil man durch orga­ni­sa­to­ri­sche und tech­ni­sche Maß­nah­men auf anfäng­li­che Män­gel ent­spre­chend reagier­te sowie ab dann bis Ende 1918 ein äußerst leis­tungs­fä­hi­ges Nach­rich­ten­sys­tem betrieb, das u.a. über­haupt erst dazu bei­getra­gen hat, trotz immer mehr zuneh­men­der per­so­nel­ler und mate­ri­el­ler Über­le­gen­heit der West­mäch­te den 1. Welt­krieg deut­scher­seits so lan­ge füh­ren zu kön­nen. 


Auch die dor­ti­ge Aus­sa­ge, daß die Bun­des­wehr seit 2014 die Gene­ral-Fell­gie­bel-Medail­le für her­aus­ra­gen­de Leis­tun­gen ver­gibt, ist eine Ver­kür­zung: Die Gene­ral-Fell­gie­bel-Medail­le wird durch den Kom­man­deur des Aus­bil­dungs­zen­trums Cyber- und Infor­ma­ti­ons­raum für her­aus­ra­gen­de Lehr­gangs­leis­tun­gen ver­ge­ben, woge­gen fehlt, daß bereits seit 1976 der Gene­ral-Fell­gie­bel-Preis für her­aus­ra­gen­de Leis­tun­gen sowie Ver­diens­te in der Füh­rungs­un­ter­stüt­zung ver­lie­hen wird.

Bereits am 25. April 2025 war dar­über hin­aus am Zaun vor dem frü­he­ren Wohn­haus von Gen­Nach­rTr Fell­gie­bel in Ber­lin-Ste­glitz eine Gedenk­ta­fel zur Erin­ne­rung an ihn ent­hüllt wor­den, die durch Bri­ga­de­ge­ne­ral Simon, den ehe­ma­li­gen Kom­man­deur des Aus­bil­dungs­zen­trums Cyber- und Infor­ma­ti­ons­raum gestif­tet wor­den war: Ein­zel­hei­ten hier­zu fin­den Sie unter “Gene­ral-Fell­gie­bel-Gedenk­ta­fel ent­hüllt — Erin­ne­rung an einen deut­schen Wider­stands­kämp­fer des 20. Juli 1944”