Einsatzprüfung 1 mit D‑LBO basic in Munster — „Grünes Licht“ für Kampfpanzer LEOPARD 2 sowie Schützenpanzer PUMA, „Rotes Licht“ für Schützenpanzer MARDER

Am 16. Okto­ber 2026 wur­de in Muns­ter die Ein­satz­prü­fung 1 mit D‑LBO basic auf den Füh­rungs­ebe­nen Zug bis Bri­ga­de ins­ge­samt erfolg­reich abge­schlos­sen – die Schüt­zen­pan­zer MARDER konn­ten jedoch nicht sta­bil in den Ver­bund von D‑LBO basic ein­ge­bun­den wer­den und müs­sen des­halb in der Pan­zer­gre­na­dier­bri­ga­de 37 „Frei­staat Sach­sen“ für deren Auf­trag als „NATO For­ward Land Forces Bri­ga­de“ ab 1. Janu­ar 2027 gegen Schüt­zen­pan­zer PUMA aus­ge­tauscht wer­den.

Der Inspek­teur des Hee­res, Gene­ral­leut­nant Dr. Chris­ti­an Freu­ding hat­te schon in der BMVg-Pres­se­kon­fe­renz am Mon­tag letz­ter Woche zum Zwi­schen­stand bei der Ein­satz­prü­fung 1 mit D‑LBO basic in Muns­ter dar­auf hin­ge­wie­sen, daß die Nut­zung des Schüt­zen­pan­zers MARDER, der im soge­nann­ten “Misch­be­trieb” in D‑LBO basic ein­ge­bun­den wer­den soll­te, eine Her­aus­for­de­rung dar­stellt: Dies hat sich spä­tes­tens am vor­letz­ten Tag der Ein­satz­prü­fung 1 mit D‑LBO basic in Muns­ter beim Schie­ßen mit den Schüt­zen­pan­zern MARDER im schar­fen Schuß bewahr­hei­tet – die digi­ta­le Funk­tech­nik von D‑LBO basic war mit deren ana­lo­gen Bord­sprech­an­la­gen sowie der Anten­nen­an­la­ge des Schüt­zen­pan­zers MARDER nicht inter­ope­ra­bel.

Auf­grund der Ergeb­nis­se der Ein­satz­prü­fung 1 mit D‑LBO basic beim Schüt­zen­pan­zer MARDER wur­de des­halb ent­schie­den, daß bei­de Pan­zer­gre­na­dier­ba­tail­lo­ne für den Auf­trag von Pan­zer­gre­na­dier­bri­ga­de 37 „Frei­staat Sach­sen“ als „NATO For­ward Land Forces Bri­ga­de“ ab 1. Janu­ar 2027 durch Ver­bän­de gestellt wer­den, die mit dem Schüt­zen­pan­zer Puma aus­ge­stat­tet sind. Das ursprüng­lich vor­ge­se­he­ne, noch mit Schüt­zen­pan­zer MARDER aus­ge­stat­te­te Pan­zer­gre­na­dier­ba­tail­lon 391 wird daher zunächst nicht mehr Teil der „For­ward Land Forces Bri­ga­de“ (= Pan­zer­gre­na­dier­bri­ga­de 37 „Frei­staat Sach­sen“) sein.

Lesen Sie hier die BMVg-Pres­se­mit­tei­lung „Digi­ta­li­sie­rung der Land­streit­kräf­te nimmt wich­ti­gen Mei­len­stein“

und ent­spre­chen­de Mel­dun­gen bei:
- Augengeradeaus.net: Heer führt Digi­tal­funk für ers­te Kampf­bri­ga­de ein
- Hartpunkt.de: D‑L­BO-Ein­satz­prü­fung erfolg­reich been­det – Puma ersetzt Mar­der in NATO-Bri­ga­de
- Sol­dat und Technik.de: D‑LBO: Ein­satz­prü­fung für digi­ta­li­sier­te Bri­ga­de erfolg­reich
- Defence Network.com: D‑LBO: Digi­ta­li­sie­rung der Land­streit­kräf­te nimmt wich­ti­gen Mei­len­stein
- suv.report: D‑LBO: Heer schließt ers­te Ein­satz­prü­fung in Muns­ter ab

Anmer­kun­gen von Oberst a.D. Peter Uffel­mann:
So erfreu­lich es ist, daß im Rah­men der 
Ein­satz­prü­fung 1 mit D‑LBO basic ins­ge­samt die Grund­funk­tio­na­li­tät sowie Ein­satz­fä­hig­keit des Sys­tems auf­grund stö­rungs­si­che­rer Kom­mu­ni­ka­ti­on mit deut­lich gestei­ger­ter Reich­wei­te und spür­bar ver­bes­ser­ter Sprach­qua­li­tät im Funk­ver­kehr als gege­ben fest­ge­stellt wur­de, um so vor­her­seh­ba­rer war sei­ne Nicht-Inter­ope­ra­bi­li­tät mit dem Schüt­zen­pan­zer MARDER, die sich bereits spä­tes­tens seit dem Sys­tem­nach­weis im Juli die­sen Jah­res abzeich­ne­te. Schon damals wur­de u.a. fest­ge­stellt, daß es in “dyna­mi­schen Lagen” zu Funk­stö­run­gen sowie Ver­bin­dungs­ab­brü­chen gekom­men sei, als deren Ursa­che eine “Über­la­ge­rung” von digi­ta­ler Funk­tech­nik und ana­lo­ger Bord­kom­mu­ni­ka­ti­on ver­mu­tet wür­de – und im Gegen­satz zum Kampf­pan­zer LEOPARD 2 sowie Schüt­zen­pan­zer PUMA, die bei­de bereits über digi­ta­le Bord­ver­stän­di­gungs­an­la­gen ver­fü­gen, hat der Schüt­zen­pan­zer MARDER noch eine ana­lo­ge BV-Anla­ge. 
Daß dar­über hin­aus auch noch die Anten­nen­an­la­ge des 
Schüt­zen­pan­zers MARDER ins­be­son­de­re im Schieß­be­trieb nicht den elek­tro­ni­schen und hoch­fre­quenz­tech­ni­schen Anfor­de­run­gen bei digi­ta­lem Funk­be­trieb ent­spricht, hat sich wohl erst im Rah­men der jet­zi­gen Ein­satz­prü­fung her­aus­ge­stellt, hät­te aber eigent­lich auch schon im Rah­men der vor­he­ri­gen Sys­tem­nach­wei­se auf­fal­len müs­sen. 

Neben der noch aus­ste­hen­den Seri­en­in­te­gra­ti­on von D‑LBO basic in wei­te­re ca. 700 Fahr­zeu­ge der „For­ward Land Forces Bri­ga­de“ bis Ende die­sen Jah­res ist nun also auch noch ein ande­res, bereits mit Schüt­zen­pan­zer PUMA aus­ge­stat­tetes Pan­zer­gre­na­dierbatail­lon fest­zu­le­gen sowie in die „For­ward Land Forces Bri­ga­de“ (= Pan­zer­gre­na­dier­bri­ga­de 37 „Frei­staat Sach­sen“) zu inte­grie­ren.

Dar­über hin­aus kom­men ab 1. Juli 2027 – neben Pan­zer­ba­tail­lo­nen – nur noch bereits mit Schüt­zen­pan­zer PUMA aus­ge­stat­tete Pan­zer­gre­na­dierbatail­lo­ne für die „Mul­ti­na­tio­nal Batt­le­group Lithua­nia“ in Fra­ge, damit die­se mit der bis dahin mit D‑LBO basic aus­ge­stat­te­ten Pan­zer­bri­ga­de 45 „Litau­en“ (Pan­zer­ba­tail­lon 203 und PzGrenBtl 122) inter­ope­ra­bel ist. Dadurch wird sich ab nächs­tem Jahr die Anzahl der für die „Mul­ti­na­tio­nal Batt­le­group Lithua­nia“ in Fra­ge kom­men­den Pan­zer­gre­na­dierbatail­lo­ne von bis­her ins­ge­samt neun (fünf mit Schüt­zen­pan­zer PUMA, vier mit Schüt­zen­pan­zer MARDER) auf nur noch vier, d.h. um ca. 56% redu­zie­ren.

Die Ein­satz­prü­fung 2 mit D‑LBO basic wird übri­gens wohl erst nach Abschluß der Seri­en­in­te­gra­ti­on bei allen 10.000 — 16.000 für D‑LBO basic vor­ge­se­he­nen Fahr­zeu­gen der „Divi­si­on 2025“ (= ver­stärk­te 10. Pan­zer­di­vi­si­on) bis Ende nächs­ten Jah­res, d.h. im Lau­fe von 2028 statt­fin­den sowie dann neben den drei deut­schen Kampf­bri­ga­den (PzBrig 12, PzGren­Brig 37 und PzBrig 45) auch die Divi­si­ons­trup­pen und die Unter­stüt­zungs­kräf­te aus den ande­ren Teil­streit­kräf­ten (TSK) sowie Mili­tä­ri­schen Orga­ni­sa­ti­ons­be­rei­chen (Mil­Or­gBer) – ins­be­son­de­re aus der TSK Cyber- und Infor­ma­ti­ons­raum (CIR) und dem Mil­Or­gBer Unter­stüt­zung (u.a. Logis­tik- und Sani­täts­kräf­te) – betref­fen, aber auch die der 10. Pan­zer­di­vi­si­on unter­stell­te, nie­der­län­di­sche 13. Leich­te Bri­ga­de („13 Lich­te Bri­ga­de“). Dabei wird es wohl zudem u.a. um breit­ban­di­ge­reDaten­über­tra­gung mit­tels des Tak­ti­schen „Wide Area Net­work“ (TaWAN) sowie die Nut­zung von ver­le­ge­fä­hi­gen Rechen­zen­tren (vRZ) auf Divi­si­ons­ebe­ne und die Inter­ope­ra­bi­li­tät von D‑LBO basic mit dem nie­der­län­di­schen Füh­rungs-/In­for­ma­ti­ons­sys­tems „FOXTROT“ gehen.

Oberst a.D. Peter Uffel­mann ist 1. Stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Fern­mel­de­rings e.V. sowie Redak­ti­ons­lei­ter der „F‑Flagge“, ist Diplom­in­ge­nieur für Nach­rich­ten­tech­nik (Schwer­punkt: Hoch­fre­quenz­tech­nik) und war in sei­ner letz­ten akti­ven Ver­wen­dung sowie danach noch für ein Jahr als Reser­ve­dienst­leis­ten­der im Kom­man­do Heer Koor­di­na­tor zwi­schen Stab „Test und Ver­such“ (= Vor­läu­fer des seit 1. Okto­ber 2026 in Auf­stel­lung befind­li­chen Zen­trums „Digi­ta­li­sie­rung Land“ in Muns­ter), BAAINBw, BWI GmbH sowie Pan­zer­gre­na­dier­bri­ga­de 37 „Frei­staat Sach­sen“ für die Ein­füh­rung des „Batt­le Manage­ment Sys­tem“ (BMS) im Rah­men der Vor­be­rei­tung des Deut­schen Anteils an der „NATO Very High Rea­di­ness Joint Task Force Land“ (VJTF(L)), der im Kern durch Pan­zer­gre­na­dier­bri­ga­de 37 „Frei­staat Sach­sen“ gestellt wur­de, auf des­sen Stand­by-Pha­se ab Janu­ar 2023.