Einsatz des Prototypen „Baumfalke“ zur Positionsbestimmung („Ortung“) von gegnerischen Funksendern bei „Vigilant Owl“ in Litauen

Oberst a.D. Peter Uffel­mann

Wäh­rend seit Anbe­ginn der Fern­mel­de­auf­klä­rung im 1. Welt­krieg – und nach dem 2. Welt­krieg auch in der Elek­tro­ni­schen Auf­klä­rung – zur Posi­ti­ons­be­stim­mung („Ortung“) von geg­ne­ri­schen Funk­sen­dern bzw. Radar­ge­rä­ten mit­tels spe­zi­el­ler Peil­an­ten­nen deren Emp­fangs­rich­tun­gen bestimmt sowie aus deren Schnitt­punk­ten bzw. ‑flä­chen ihre Stand­or­te ermit­telt wur­den, nutzt EloK­a­Btl 932 seit inzwi­schen zwei Jah­ren und nun auch bei „Vigi­lant Owl“ in Litau­en mit dem Pro­to­typ „Baum­fal­ke“ ein alter­na­ti­ves Ver­fah­ren zur Posi­ti­ons­be­stim­mung („Ortung“) von geg­ne­ri­schen Funk­sen­dern: Durch Mes­sung der Zei­ten beim Ein­tref­fen ihrer Emp­fangs­si­gna­le („TOA“) an min­des­tens drei Emp­fän­gern sowie Ermitt­lung der Zeit­un­ter­schie­de („TDOA“) zwi­schen dem Ein­tref­fen der Emp­fangs­si­gna­le bei die­sen Emp­fän­gern kön­nen durch ent­spre­chen­de, kom­ple­xe Berech­nun­gen die Ent­fer­nun­gen zu den Sen­dern und dar­aus deren Stand­or­te bestimmt wer­den. 

Die­ses Prin­zip der soge­nann­ten „Tri- bzw. Mul­ti­la­te­ra­ti­on“ ist nicht neu, son­dern wur­de bereits im 1. Welt­krieg zur Ortung von Artil­le­rie­ge­schüt­zen durch Mes­sung der Lauf­zeit­dif­fen­zen ihres Mün­dungs­knalls zwi­schen meh­re­ren Mikro­fon-Meß­stel­len ent­wi­ckelt sowie wur­de in umge­kehr­ter Form mit drei zeit­syn­chro­ni­sier­ten Sen­dern und einem Emp­fän­ger bereits im 2. Welt­krieg zur Hyper­bel­na­vi­ga­ti­on für Flug­zeu­ge sowohl durch die Bri­ten mit ihren Sys­te­men „GEE“ bzw. „OBOE“, als auch die US-Ame­ri­ka­ner mit ihren Sys­te­men „LORAN“ bzw. „SHORAN“ sowie mit ent­spre­chen­den Hyper­bel­kar­ten genutzt.

Auch bei den Pas­siv­ra­dar­sys­te­men „KOPÁC“, „RAMONA“ sowie „TAMARA“ eines tsche­chi­schen Her­stel­lers mach­te man sich im War­schau­er Pakt ab den 1960-er Jah­ren das Prin­zip der Zeit­dif­fe­renz­mes­sung mit­tels drei­er Emp­fangs­sta­tio­nen zu Nut­ze, um NATO-Flug­zeu­ge zu orten und ihre Flug­we­ge zu ver­fol­gen. Auch die Natio­na­le Volks­ar­mee der DDR ver­füg­te über „RAMONA“ sowie „TAMARA“, wodurch bis 2010 auch „TAMARA“ durch die Bun­des­wehr – zuletzt durch EloK­a­Btl 912 in Nien­burg – genutzt wur­de.  
Das Nach­fol­ge­sys­tem „VERA“ wird heu­te u.a. von der tsche­chi­schen Armee genutzt.

Wesent­li­che Vor­aus­set­zun­gen für die Nut­zung von Tri- bzw. Mul­ti­la­te­ra­ti­ons­sys­te­men zur Posi­ti­ons­be­stim­mung („Ortung“) von geg­ne­ri­schen Funk­sen­dern sind zeit­li­che Syn­chro­ni­sa­ti­on und genaue Stand­ort­ver­mes­sung der Emp­fän­ger, was aber bei Nut­zung des Glo­bal Posi­tio­ning Sys­tem (GPS) kein grund­sätz­li­ches Pro­blem ist – aller­dings kön­nen sich GPS-Stö­run­gen auf die genaue Stand­ort­be­stim­mung der Emp­fän­ger sowie ins­be­son­de­re Stö­run­gen des GPS-Zeit­si­gnals sich auch auf die zeit­li­che Syn­chro­ni­sa­ti­on der Emp­fän­ger und damit auf die Mes­sung der Zeit­un­ter­schie­de beim Ein­tref­fen des Emp­fangs­si­gnals sowie bei­des sich auf die ent­spre­chen­den Berech­nun­gen der Ent­fer­nun­gen zum Sen­der und dar­aus des­sen Stand­ort aus­wir­ken, wobei die zeit­li­che Syn­chro­ni­sa­ti­on auch durch Nut­zung von Atom­uh­ren erfol­gen kann.
Dar­über hin­aus muß durch Signal­ana­ly­se sicher­ge­stellt wer­den, daß sich die Mes­sung der Ein­treff­zei­ten jeweils auf die­sel­ben Signa­le bezieht, was jedoch inzwi­schen auto­ma­ti­siert erfol­gen kann. 

Wesent­li­cher Vor­teil von Tri- bzw. Mul­ti­la­te­ra­ti­ons­sys­te­men zur Posi­ti­ons­be­stim­mung („Ortung“) von geg­ne­ri­schen Funk­sen­dern ist, daß sie kei­ne optisch auf­fäl­li­gen Peil­an­ten­nen benö­ti­gen, die z.B. durch Droh­nen auf­ge­klärt sowie bekämpft wer­den kön­nen, daß kein eben­falls auf­klär- und  stör­ba­rer Funk­be­trieb zur Kom­man­die­rung der Peil­ba­sis erfor­der­lich ist sowie, daß sie ggf. ohne front­nah ein­ge­setz­tes Bedien­per­so­nal betrie­ben wer­den kön­nen.
Nach­tei­lig bei Tri- bzw. Mul­ti­la­te­ra­ti­ons­sys­te­men zur Posi­ti­ons­be­stim­mung („Ortung“) von geg­ne­ri­schen Funk­sen­dern ist dage­gen, daß bei grö­ße­ren Ent­fer­nun­gen zwi­schen den Emp­fän­gern ihre Meß­ergeb­nis­se über Funk an die zen­tra­le Stel­le zur Berech­nung der Ent­fer­nun­gen zu den Sen­dern und ihrer Stand­or­te über­tra­gen wer­den müs­sen, was die­se Meß­ergeb­nis­se auf­klär- sowie damit auch stör- bzw. täusch­bar macht. 

Lesen Sie hier zunächst die Mel­dung über den Ein­satz des Pro­to­ty­pen „Baum­fal­ke“ zur Posi­ti­ons­be­stim­mung („Ortung“) von geg­ne­ri­schen Funk­sen­dern bei „Vigi­lant Owl“ in Litau­en , ergän­zend dazu eine Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on über den Ein­satz von Tei­len des EloK­a­Btl 932 bei „Vigi­lant Owl“ sowie ein You­Tube-Video zum Pro­to­ty­pen „Baum­fal­ke“

Fin­den Sie dar­über hin­aus hier Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu Tri- bzw. Mul­ti­la­te­ra­ti­on und zu Hyper­bel­na­vi­ga­ti­on und zu den bri­ti­schen bzw. US-ame­ri­ka­ni­schen Navi­ga­ti­ons­sys­te­men „GEE“ sowie „OBOE“ bzw. „LORAN“ und „SHORAN“ sowie zu den Pas­siv­ra­dar­sys­te­men „KOPÁC“, „RAMONA“ und „TAMARA“  sowie zu dem Pas­siv­ra­dar­sys­tem „VERA“ bei Wiki­pe­dia VERA (Sen­sor­sys­tem), VERA-NG SEES WITHOUT BEING SEEN, VERA NG (Data­sheet), Invi­si­ble guar­di­ans: VERA-NG as the cor­ner­stone of the Euro­pean Sky Pro­tec­tion Initia­ti­ve sowie zur Geschich­te der heu­ti­gen tsche­chi­schen Her­stel­ler­fir­ma „ERA“.

Außer­dem hier ein eng­lisch­spra­chi­ger Hin­ter­grund­be­richt zum Ein­satz von Tri- bzw. Mul­ti­la­te­ra­ti­ons­sys­te­men zur Posi­ti­ons­be­stim­mung („Ortung“) von geg­ne­ri­schen Funk­sen­dern in der ukrai­ni­schen Armee im Krieg gegen Ruß­land.

Oberst a.D. Uffel­mann ist 1. Stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Fern­mel­de­rings e.V. sowie Redak­ti­ons­lei­ter der „F‑Flagge und hat­te – nach sei­ner Aus­bil­dung zum Elo­Ka-Offi­zier ein­schließ­lich Stu­di­um der Nach­rich­ten-/Hoch­fre­quenz­tech­nik – bis 1988 Ver­wen­dun­gen in der dama­li­gen Fern­mel­de­trup­pe Elo­Ka des Hee­res, u.a. als Zug­füh­rer für Elek­tro­ni­sche Auf­klä­rung, Lei­ter von „Trup­pen­ver­su­chen“ (= Ein­satz­prü­fun­gen) mit neu­em Elo­Ka-Gerät (z.B. VHF-/UHF-Pei­ler auf TPz „Fuchs“) sowie KpChef einer Elo­Ka-Aus­bil­dungs­kom­pa­nie.