Am 16. April 2026 informierte der Kommandeur von EloKaBtl 932, Oberstleutnant Moritz Kaselow in Form eines „Lagevortrags zur Unterrichtung“ etwa 50 Ehemalige dieses Verbandes im Rahmen von deren monatlicher Frühstücksrunde über Sachstand sowie weiteres Vorgehen bei der Neuausrichtung des Bataillons auf Landes- und Bündnisverteidigung.
Oberst a.D. Peter Uffelmann
Rahmenbedingungen
Damit die Zuhörer seine nachfolgenden Ausführungen besser einordnen konnten, wies Oberstleutnant Kaselow zu Beginn seines foliengestützten Vortrags auf die gegenüber den Einsätzen zum Internationalen Krisenmanagement während der letzten ca. 30 Jahre, aber auch gegenüber der Zeit des „Kalten Krieges“ bis 1989 geänderten Rahmenbedingungen durch die heutige Landes- und Bündnisverteidigung hin, insbesondere auf die sich daraus ergebenden Forderungen nach Kriegstüchtigkeit, hoher Einsatzbereitschaft sowie Resilienz im Rahmen des sogenannten „Operationsplans Deutschland“, durch die allgegenwärtige Bedrohung aufgrund des Einsatzes von Drohnen – nicht nur auf dem Gefechtsfeld, sondern bereits in Deutschland – sowie durch den „Neuen Wehrdienst“ und warf die Frage auf, was dieses für EloKaBtl 932 bedeutet.
Auftrag von EloKaBtl 932
Das Bataillon Elektronische Kampfführung 932 nimmt Aufgaben der Fernmelde- sowie Elektronischen Aufklärung – also der Informationsgewinnung aus elektromagnetischen Ausstrahlungen in Form von Funkverkehren oder Radarausstrahlungen – und des Elektronischen Kampfes wahr, wobei sein Schwerpunktauf EloKa-Unterstützung von landbasierten Operationen in den Bereichen „Elektronische Gegenmaßnahmen“ (EloGM; Bild 1) sowie Aufklärung (Bild 2) und der Bereitstellung schneller EloKa-Kräfte durch eine „Luftlandefähige Komponente für den Elektronischen Kampf zur Nahunterstützung im Einsatz“ (LEKE; Bild 3) liegt,

EloGM-Trupp „HUMMEL“,
Bild: Bundeswehr/Peter R.

Aufklärung zellularer Netze durch ELSTER- und KRÄHE-Trupps
Bild: Bundeswehr/Peter R.

LEKE-Soldat im Einsatz
Bild: Bundeswehr/Jörg H.
um die Operationsführung eigener Kräfte im „Couleur-Verhältnis“ durch Informationsgewinnung mittels Fernmelde- sowie Elektronischer Aufklärung nachhaltig zu unterstützen und die gegnerische Operationsführung durch Elektronische Gegenmaßnahmen zu erschweren.
Dieser Auftrag sei auch unter den o.a. Rahmenbedingungen der heutigen Landes- und Bündnisverteidigungprinzipiell unverändert, neu aber sei, daß EloKaBtl 932 nun auch das „Ostflanken-Batallion“ der EloKa ist, d.h. zur Unterstützung von PzBrig 45 in Litauen und darüber hinaus ggf. auch im übrigen Baltikum sowie in Finnland im Rahmen von „Rückversichernden Maßnahmen“ der NATO Grundlagen bereitzustellen habe.
„Feindlage“
Hier skizzierte Oberstleutnant Kaselow die Bedrohung von EloKaBtl 932 durch Spionage, Sabotage und Zersetzung („SpiSaZe“), die sich gegenüber der Zeit des „Kalten Krieges“ nicht grundlegend geändert habe, jedoch unter Nutzung der heutigen modernen technischen Mittel – insbesondere der „Sozialen Medien“ – quantitativ sowie qualitativ viel weitergehende und gleichzeitig unauffälligere Möglichkeiten böte. Insgesamt sei die „Feindlage“ für EloKaBtl 932 zwar ruhig, aber schon öfters stattgefundene Überflüge der Burgwald-Kaserne bei Frankenberg/Eder durch Drohnen von bis zu sieben Meter Spannweite gäben doch zu denken.
Lage von EloKaBtl 932
In seinem anschließenden „Ritt“ durch die weiteren Führungsgrundgebiete strich er insbesondere die insgesamt gute Personal- sowie Materiallage von EloKaBtl 932 mit einem Personal-Ist von ca. 800 – d.h. ca. 74% vom Personal-Soll, mit einem Fahrzeug-Ist von derzeit 192 bei weiteren Zuläufen von durchschnittlich zwei neuen Fahrzeugen pro Woche und die sich absehbar verbessernde Infrastrukturlage in der Burgwald-Kaserne durch Investitionen in Höhe von insgesamt 85 Mio. € heraus, von denen bereits 70 Mio. € festgelegt seien – u.a. zum Umbau der Alt-Gebäude, für den Bau eines neuen Auswerte- sowie Erfassungsgebäudes und für das Gebäude einer neu aufzustellenden Ausbildungskompanie.
Die IT- sowie Fernmeldeaustattung von EloKaBtl 932 bewertete er als ausreichend, um damit das „PACE-Konzept“ – für „Primary“ — „Alternate“ — „Contingency“ — „Emergency“ – umzusetzen.
Darüber hinaus ging Oberstleutnant Kaselow besonders auf den Bereich „Ausbildung“ im EloKaBtl 932 ein, wobei er die Notwendigkeit von Winterausbildung – aufgrund seines wahrscheinlichsten Einsatzraumes in Litauen, im Baltikum oder Finnland, einer EloKa-Spezialgrundausbildung und der Ausbildung für den Heimatschutz im Rahmen des „Neuen Wehrdienstes“ sowie die Überprüfung u.a. des Ausbildungsstandes im Rahmen wieder neu eingeführter Kompaniebesichtigungen und der Teilnahme an der Übungsserie „Warfighter Exercise“ betonte, wodurch Teile des Stabes von EloKaBtl 932 bereits „Warfighter-zertifiziert“ seien.
Auch sei die eigene Informationsarbeit – insbesondere im Bereich der „Social Media“ – intensiviert worden, um neben der Personalgewinnung auch zur „Abschreckung“ durch Information über die Möglichkeiten der eigenen EloKa-Kräfte und ‑Mittel beizutragen.
Absicht und Operationsplan von EloKaBtl 932
Seine Absicht für EloKaBtl 932 erläuterte Oberstleutnant Kaselow anhand eines graphischen Operationsplans mit „Ablauflinie“, mehreren „Bewegungslinien“ mit „Zwischenzielen“ und einem „Angriffsziel“.
Dabei hob er insbesondere die Bedeutung von gemeinsamen Übungen mit Kampftruppenbrigaden, die diesjährigen Missionen „Vigilant Owl I“ und „Vigilant Owl II“ in Zusammenarbeit mit PzBrig 45 „Litauen“, die Teilnahme in Kompaniestärke an der diesjährigen Übung „Freedom Shield“ der PzBrig 45 „Litauen“ und mit einem EloKa-Einsatzverband sowie LEKE-Kräften an der diesjährigen Übung „Grand Eagle“, und die beabsichtigte Entsendung eines „Luftwaffenerfassungstrupps“ zur Fernmelde- sowie Elektronischen Aufklärung im Baltikum hervor.

Fernmeldeaufklärungstrupp „MoGeFA“ (Mobile geschützte Fernmeldeaufklärung während einer früheren „Vigilant Owl“-Übung bzw. ‑Mission in Litauen,
Bild: Bundeswehr/Michael R.

Elektronischer Aufklärungstrupp RMB KWS (Radio Multi-Band Kampfwertsteigerung) während einer früheren „Vigilant Owl“-Übung bzw. ‑Mission in Litauen,
Bild: Bundeswehr/Michael R.
Im Rahmen der Teilnahme an o.a. Übungen stände besonders das Meldewesen an die taktischen Bedarfsträger von der Brigade- bis zur Korpsebene im Fokus, wobei für „Realtime Awareness“ auf Korpsebene maximal acht Minuten zwischen der Erfassung von Funkverkehren oder Radarausstrahlungen und der taktischen Meldung gefordert seien – hierzu werde u.a. auch die Führungsinformations-Software „SitaWare“ genutzt.
Neben der Teilnahme an den o.a. Übungen von zu unterstützenden Großverbänden seien auch eigene Gefechts- sowie Verlegeübungen zur allgemein-militärischen und EloKa-fachlichen Inübunghaltung Teil des Operationsplans von EloKaBtl 932, um u.a. Maßnahmen gegen die Bedrohung durch Drohnen, aber auch die Nutzung von Drohnen für eigene Zwecke im Rahmen der Erkundung sowie Sicherung von Fernmeldeaufklärungszentralen und Peil- sowie EloAufkl-Stellen,

Sicherung durch einen Peiltrupp,
Bild: Bundeswehr/Sonja B.
und die Planung sowie Durchführung von Märschen unter Gefechtsbedingungen einzuüben.

Marsch unter Gefechtsbedingungen – Peiltrupp beim Beobachtungshalt,
Bild: Bundeswehr/SchStratAufklBw INFO Bereitstellung FMZ

Marsch unter Gefechtsbedingungen – Peiltrupp (vorn) und EloGM-Trupp „HUMMEL“ (hinten),
Bild: Bundeswehr/Carl S.
Auch müsse bei den o.a. eigenen Übungen der Informationsaustausch zwischen verlegefähigen bzw. mobilen und ortsfesten EloKa-Systemen geübt werden.
Darüber hinaus seien auch die Modernisierung der EloKa-Ausstattung von EloKaBtl 932, die vor allem organisatorische Unterstützung der Ausbildung von ukrainischen Soldaten in Deutschland sowie der erfolgreiche Abschluß der Überprüfung von EloKaBtl 932 nach § 78 der Bundeshaltsordnung – also seiner Materialwirtschaft und ‑bewirtschaftung – wichtige „Zwischenziele“.
Herausforderungen und Handlungsfelder für EloKaBtl 932
Als Herausforderungen für EloKaBtl 932 bezeichnete Oberstleutnant Kaselow die geforderte Kriegstüchtigkeit, die er anhand eines „Kriegstüchtigkeitsbaums“ visualisierte, und das Beurteilungswesen, welches den beurteilenden sowie stellungnehmenden Vorgesetzten wenig Spielraum lasse und diese zu harten Entscheidungen hinsichtlich der Bestenauswahl zwinge.
Als Handlungsfelder für EloKaBtl 932 identifizierte er die Gefechtsstand- sowie Führungsorganisation und die Fernmeldeverbindungen von EloKaBtl 932 für die heutige Landes- und Bündnisverteidigung sowie deren Integration in das „System Bundeswehr“ bzw. der NATO.
Zusammenfassung
Abschließend bewertete Oberstleutnant Kaselow den Auftrag von EloKaBtl 932 als „insgesamt durchführbar“ – mit Einschränkungen bei Elektronischen Gegenmaßnahmen, und schloß seinen Vortrag mit dem Motto „Von der Asche zu den Sternen …“ [1] – anspielend auf die „Asche“ der Erfahrungen der EloKa aus dem „Kalten Krieg“ sowie die zukünftigen „Sterne“ der Eloka in der „Bundeswehr der Zeitenwende“.
Anmerkungen aus Sicht eines ehemaligen, im „Kalten Krieg“ aktiven EloKa-Offiziers
Vieles in diesem „Lagevortrag zur Unterrichtung“ klang vordergründig nach Selbstverständlichkeiten, die in der EloKa bis Ende der 1980-er Jahre „gang und gäbe“ waren – jederzeitige Einsatzbereitschaft, Kriegstüchtigkeit, Übungen mit den Couleur-Großverbänden, Notwendigkeit von Winterausbildung (damals für den winterlichen EloKa-Einsatz auf „Hohen Punkten“ entlang der damaligen innerdeutschen Grenze und im Hessischen Bergland), EloKa-Spezialgrundausbildung sowie Ausbildung für den Heimatschutz (damals Sicherungsausbildung für alle Grundwehrdienstleistenden) und die Überprüfung u.a. des Ausbildungsstandes im Rahmen von Kompaniebesichtigungen, heute allerdings unter den ganz anderen Rahmenbedingungen der jetzigen Landes- und Bündnisverteidigung primär außerhalb von Deutschland an der NATO-Ostflanke, der allgegenwärtigen Bedrohung durch den Einsatz von Drohnen – nicht nur auf dem Gefechtsfeld, sondern bereits in Deutschland, die allenfalls mit der damaligen hohen Bedrohung aus der Luft durch Kampfflugzeuge sowie ‑hubschrauber vergleichbar ist, und des freiwilligen „Neuen Wehrdiensts“.
Insofern verbietet sich ein abschätziges „Hatten wir früher schon alles einmal !“, aber auch eine „1:1“-Übertragung damaliger Grundsätze sowie früherer Erfahrungen der EloKa bei Neuausrichtung von EloKaBtl 932 auf die heutige Landes- und Bündnisverteidigung – letztlich muß die Lage von EloKaBtl 932 mit Blick auf seinen jetzigen Auftrag im Lichte der heutigen – auch technischen – Rahmenbedingungen von Landes- und Bündnisverteidigung beurteilt werden sowie müssen daraus Handlungsmöglichkeiten entwickelt und in Maßnahmen umgesetzt werden, welche diesen Rahmenbedingungen entsprechen sowie diese – insbesondere technisch – bestmöglich zum eigenen Vorteil nutzen.
Hinweis der Redaktion: Oberstleutnant Moritz Kaselow ist seit Oktober 2025 Kommandeur von EloKaBtl 932 in Frankenberg/Eder und war davor G2-Abteilungsleiter im Stab der PzBrig 45 „Litauen“.
Die Folien seines o.a. Vortrags konnten aus Sicherheitsgründen leider nicht zur Verfügung gestellt werden, so daß Bilder aus Internet-Veröffentlichungen der Bundeswehr genutzt werden mußten.
Oberst a.D. Peter Uffelmann ist 1. Stellvertretender Vorsitzender des Fernmelderings e.V. sowie Redaktionsleiter der „F‑Flagge“ und war Anfang der 1980-er Jahre als Zugführer für Elektronische Aufklärung in der damaligen FmKp 2 sowie Mitte bis Ende der 1980-er Jahre als Chef der FmAusKp 5/III, die u.a. für das damalige FmBtl 320 ausbildete, in Frankenberg/Eder tätig.
[1] „Von der Asche zu den Sternen“ ist eine bildhafte Redewendung, die der lateinischen ”Per aspera ad astra” (wörtlich = „Durch das Raue zu den Sternen“, sinngemäß: „Über raue Pfade (oder „Durch Mühsal …) gelangt man zu den Sternen“) ähnelt, die auf das Zitat von Seneca aus seiner Tragödie „Hercules furens“ (= Der wildgewordene Herkules) zurückgeht, wo es heißt: „Non est ad astra mollis e terris via“ („Es ist kein weicher (= bequemer) Weg von der Erde zu den Sternen“), und die das Überwinden von Krisen beschreibt, um am Ende Großes zu erreichen.