Zur Erinnerung an den Einsatz sowie die Gefallenen der deutschen „Blinker“ im 1. Weltkrieg wurde am 29. Mai 1921 auf dem Landgrafen-Berg bei Jena das „Blinker-Denkmal“ eingeweiht, welches nach dem 2. Weltkrieg „entmilitarisiert“ wurde, wodurch die Zweckbestimmung des verbliebenen Steinklotzes am Rande eines sowjetischen Truppenübungsplatzes nicht mehr erkennbar war: Im Laufe der Jahrzehnte verfiel es mehr und mehr, wurde von Unterholz überwuchert sowie geriet völlig in Vergessenheit. Erst ab 1990 konnte die Reservistenkameradschaft Jena das Ziel verfolgen, dieses Denkmal wieder zugänglich zu machen und es dazu in vereinfachter Form wiederherzustellen: Allerdings erfolgte erst am 17. November 2009 die Wiedereinweihung des sanierten Blinker-Denkmals. Im Mai 2018 ersuchte die Reservistenkameradschaft Jena dann um die Erlaubnis, das Denkmal wieder weitgehend in den baulichen Ursprungszustand von 1921 zu versetzen: Das entsprechend ergänzte Denkmal wurde am 29. Mai 2021 zum zweiten Mal erneut eingeweiht, genau 100 Jahre nach der Ersteinweihung.
Wer aber waren die „Blinker“ und warum wurde ihr Denkmal ausgerechnet bei Jena errichtet ?
Oberst a.D. Uffelmann
Als „Blinker“, aber auch als „Signalisten“ wurden vor und im 1. Weltkrieg die Angehörigen der deutschen Feldsignaltrupps bezeichnet, die mittels Lichtsignalgeräten Morsezeichen als Lichtblitze übermittelten, welche als weiteres Kommunikationsmittel der deutschen Militärtelegraphie 1889 bei den Eisenbahntruppen eingeführt worden waren, und die dazu zunächst tagsüber das Sonnenlicht mit Heliographen bzw. Spiegeltelegraphen sowie nachts Aztylen-Sauerstoff- oder Karbidlampen nutzten.
Der Heliograph mit beweglichen Spiegeln war als einsatzfähiger Lichtsignalapparat bereits um 1870 durch den in Indien stationierten englischen Elektroingenieur Henry Christopher Mance auf Grundlage des 1821 durch den deutschen Mathematiker Carl Friedrich Gauß erfundenen „Heliotrops“ — eines Instruments für Feldmeßzwecke – entwickelt worden.

Heliograph,
Bild: Quelle 16
In Deutschland waren erste Versuche mit Lichtsignalgeräten zwischen 1875 und 1880 durchgeführt worden, wobei bis dahin keine brauchbaren Lampen vorhanden waren, die an stark bewölkten Tagen die Heliographen ersetzen konnten. In den folgenden Jahren wurden deshalb verschiedene Versuche unternommen, mithilfe chemisch erzeugter Flammen hell leuchtende Lampen zu entwickeln, die als Alternative zum Heliographen dienen sollten. Die Ergebnisse, welche bis zum Ende der 1880er Jahre erzielt wurden, waren allerdings noch keinesfalls befriedigend, da insbesondere die Reichweite der Lampen und die Beweglichkeit der Feldsignaltrupps äußerst eingeschränkt waren – trotzdem schätzte sie aber die Oberste Heeresleitung als durchaus nützlich ein. Zudem wurde 1889 festgelegt, daß sich die einheitliche Verwendung des Morse-Alphabets am zweckmäßigsten erwiesen hatte und von nun an standardmäßig in die Ausbildung eingeführt wurde.
Bis zur Jahrhundertwende erfolgten weitere Erprobungen, die hauptsächlich unter der Frage standen, wie man kräftigere künstliche Lichtquellen schaffen könnte. Der Inspektion der Verkehrstruppen war in diesem Zusammenhang der Auftrag erteilt worden, die Mängel, die in der optischen Telegraphie bestanden, zu beseitigen und einen Feldsignaltrupp zu bilden, der in ständiger Aus- und Weiterbildung zu halten wäre, weshalb Kontakt zu Unternehmen gesucht wurde, die bisher im Lichtsignalwesen erfolgreich tätig waren, wobei man vor allem der Suche nach helleren Lichtquellen eine besondere Bedeutung zumaß. Neben vielen anderen, auch ausländischen Firmen trat um das Jahr 1899 in diesem Zusammenhang zum ersten Mal die Firma Carl Zeiss aus Jena in Erscheinung.
Im April 1900 wurde dabei das sogenannte „Knöfler-Licht“ erfunden, das durch ein Gemisch aus Azetylen und Sauerstoff erzeugt wurde, welches sehr hell abbrannte, ohne die bisherigen Nebenwirkungen zu zeigen, die darin bestanden, daß durch das Abbrennen von Magnesium oder durch sogenannte „Kalklichter“ der metallische Spiegel sehr schnell blind oder auch sehr heiß werden konnte, was auf Dauer zu einem zu schnellen Verschleiß der Geräte führte.
Heliographen wurden deutscherseits erstmals 1894 von der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika im Kampf gegen den einheimischen Widerstand genutzt. An Umfang und Wichtigkeit stand jedoch ihr Gebrauch auch während des Krieges in Ostafrika 1905/07 dem Einsatz in Deutsch-Südwestafrika weit nach, wo sich bereits seit Anfang 1899 Heliographen im Übungsdienst der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika nachweisen lassen. Ab 1901 wurde die Heliographie bei der deutschen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika und in Deutsch-Südwestafrika dauerhaft eingesetzt.
Gute Erfahrungen mit Heliographen im Kriegseinsatz sammelte außerdem das deutsche Ostasiatische Expeditionskorps in China während der Niederschlagung des „Boxeraufstands“ in den Jahren 1900 und 1901: Bis zur Verlegung eines Feldtelegraphenkabels im Oktober 1900 unterhielten die deutschen Truppen eine Lichtsignalverbindung zwischen Tientsin (heute: Tianjin), einer Hafenstadt an der Einmündung des Kaiserkanals in den Peiho-(auch: Paiho‑, Pai-Ho‑, Bai-He-; heute Hai-He-)Fluß, und Tungtschau (heute: Tongzhou) im Südosten von Peking, seiner Hafenstadt am Peiho-Fluß.

Von der Korps-Telegraphenabteilung des Ostasiatischen Expeditionskorps in China errichtete Telegraphen- und Heliographenlinien,
Bild: Quelle 9
Auch die 1. Ostasiatische Infanterie-Brigade unter dem Kommando von Generalmajor Lothar von Trotha kommunizierte während der multinationalen Strafexpedition nach Peking per Heliograph. Unter den Verbesserungsvorschlägen für Uniformierung, Ausrüstung und Transportmittel der deutschen Soldaten, die der Befehlshaber der deutschen Truppen in China, Generalleutnant Emil von Lessel, im Januar 1901 an das preußische Kriegsministerium übermittelte, war unter anderem der Vorschlag, die nach seiner Ansicht hervorragenden britischen Signalmittel nachzubauen.
Im Rahmen der Verstärkung der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) im Frühjahr 1904 zur Niederschlagung des „Herero-Aufstands“ wurde ab Ende April dorthin u.a. auch eine Feld-Signalabteilung mit fünf im Signaldienst ausgebildeten Offizieren und drei Unteroffizieren sowie 40 „Feldsignalisten“ zur Ergänzung der bereits dort vorhandenen stationären Funkstellen sowie Erweiterung der festen Telegraphen- und Heliographenlinien verlegt, die auch 24 Exemplare des neuen kombinierten Spiegel- und Lampensignalapparats vom Typ „C/1902“ mitbrachte, der für die Schlechtwetter- und Nachtkommunikation im Zusammenwirken von Telegraphenbataillon Nr. 1, Kavallerie-Telegraphenschule und Versuchsabteilung der Verkehrstruppen entwickelt worden war: Den Auftrag zur Produktion hatte 1903 die Firma Carl Zeiss in Jena erhalten; 1904 und 1905 lieferte Carl Zeiss 89 dieser neuen Signalapparate und 98 Heliographen. Das neue Feldsignalgerät erzeugte aus einem Gemisch von Acetylen-Gas und Sauerstoff mithilfe eines Glühplättchens aus Thorium eine Flamme, die in der Lampe optisch verstärkt wurde. Dieses vom deutschen Chemiker Oskar Knöfler (s.o.) entwickelte Verfahren ermöglichte ein Licht mit einer Stärke von etwa 80.000 „Normalkerzen“ – etwa ein Drittel der Lichtstärke des Fernlichts heutiger Kraftfahrzeuge. Lampe, Heliograph und Fernrohr waren auf einem Stativ nach allen Richtungen drehbar zu einem festen System vereinigt, sodaß die optischen Achsen dieser drei Instrumente genau parallel gerichtet waren.
Die Heliographen und Signalapparate wurden jeweils mit einem Pferd oder Maultier transportiert und konnten in wenigen Minuten in Betrieb genommen werden: Aufwendiger war die Beförderung der Betriebsstoffe für die Lampen der Signalapparate, Karbid und Wasser (zur Erzeugung von Acetylen) sowie des Sauerstoffs, da sich der Sauerstoff in bis zu einem Zentner schweren Druckflaschen befand.
Nachts konnten so in Deutsch-Südwestafrika mit den Lampen der Signalapparate Morse-Telegramme auf Distanzen von durchschnittlich 80 bis 100, mitunter sogar von bis zu 150 Kilometern übermittelt werden. Die Lichtblitze der Heliographen bzw. Spiegeltelegraphen, mit denen sich Morse-Telegramme per Sonnenlicht in Richtung einer Gegenstelle „spiegeln“ ließen, waren tagsüber auf eine Distanz von 50 bis über 70 Kilometern mit Teleskopen (Monokularen) oder Beobachtungsfernrohren gut wahr- und aufnehmbar.

Feld-Signaltrupp im Einsatz im Norden von Deutsch-Südwestafrika,
Bild: Quelle 9
Feld-Signalverbindungen eigneten sich in Deutsch-Südwestafrika deshalb so gut, weil das Verlegen von Telegraphenkabel in dem gebirgigen und unwirtlichen Land sowie bei den meist großen zu überbrückenden Entfernungen sehr aufwendig war. Zudem bestand bei Kabeltelegraphie die Gefahr, daß die Kabel durch den Gegner, Tiere oder durch die rauhen klimatischen Bedingungen durchtrennt bzw. beschädigt werden konnten. Des Weiteren ist die Zahl der Sonnentage in dieser Region sehr hoch, was den Einsatz von Heliographen zusätzlich rechtfertigte.
Feld-Signalverbindungen wurden deshalb in Deutsch-Südwestafrika insbesondere dort eingerichtet, wo die Verlegung eines Telegraphenkabels nur schwer möglich war oder sich nicht lohnte. Im Vergleich zur Feld- bzw. Funktelegraphie war allerdings die niedrigere Übertragungsgeschwindigkeit, die Abhängigkeit von „Hohen Punkten“ sowie der größere Personal- und Materialaufwand für Relaisstationen bei zu überbrückenden Entfernungen von über 50 — 150 km nachteiliger. Heliographieren war zudem beschwerliche Präzisionsarbeit: Gut ausgebildete „Signalisten“ sendeten 200 „Takte“ – ungefähr drei bis vier Worte – pro Minute, d.h. ca. 200 Worte pro Stunde. Für 21 Worte zuzüglich der Dienststellenkennung betrug die günstigste Übertragungszeit von Windhuk nach Gibeon zwei Stunden und fünfzig Minuten, Nachrichten bis Keetmanshoop benötigten bei gutem Wetter im Durchschnitt fünf bis sechs Stunden.
Den meist als „Kolonnen“ eingesetzten Kräften der deutschen Schutztruppe wurden jeweils berittene Feld-Signaltrupps mit ca. 20 — 30 „Signalisten“ zugeordnet, die auf den langen Märschen die Verbindungen weitgehend halten konnten.
Zu einem größeren Einsatz von Feld-Signaltrupps der Feld-Signalabteilung kam es am 11./12. August 1904 im Rahmen der sogenannten „Schlacht am Waterberg“ zwischen ca. 4.000 Mann der Schutztruppe (einschl. einheimischer Hilfstruppen) und ca. 6.000 Herero-Kriegern.

Feld-Signal- und Funk-Telegraphenverbindungen
während der Schlacht am Waterberg,
Bild: Quelle 9
Dabei sollten zwischen den konzentrisch vorgehenden und angreifenden sechs Abteilungen der Schutztruppe sowie dem deutschen Hauptquartier am Waterberg u.a. drei Feld-Signalverbindungen über Entfernungen von 35, 70 und 125 km (hier jeweils mit Relais) hergestellt und gehalten werden, wozu um den Waterberg sechs Signalstationen in Betrieb waren, welche die Nachrichten unverschlüsselt übermittelten.
Entscheidend war hierbei der Einsatz einer Feld-Signalstation direkt auf dem überragenden Waterberg, der zusätzliche Feld-Signalverbindungen zu allen Abteilungen ermöglichte, wobei zwei es bei ihrem Vormarsch versäumt hatten, ihre Feld-Signalapparate aufzubauen beziehungsweise mitzunehmen. Aufgrund von Ausrüstungsmangel und Verschleiß standen auf dem Waterberg – trotz dessen wichtiger Lage – allerdings nur ein Heliograph und ein Feldsignalgerät, meist nur als „Spiegel“ oder „Lampe“ bezeichnet, zur Verfügung. Zeitweilig war diese Signalstation darüber hinaus auch nicht einsatzfähig, da sie unter heftigem Beschuß stand.

Blick auf den Waterberg,
Bild: Quelle 9
Der Oberbefehlshaber der deutschen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika, Generalleutnant Lothar von Trotha hat später geäußert: „Nach Waterberg habe ich nach Berlin berichtet: Ohne die Feldsignal-Abteilung hätte ich die Operationen überhaupt nicht … durchführen können.“ Auch die spätere militärische Berichterstattung über die Kämpfe am Waterberg betonte die „geradezu entscheidende Rolle“ der Lichtsignale.
Die Ereignisse während der Kämpfe am Waterberg zeigten aber auch, daß die personell unterbesetzte und materiell unzureichend ausgestattete Feld-Signalstation auf dem Waterberg-Plateau ein Manko bei der Kommunikation während dieser Gefechte war. Angesichts der Schlüsselrolle, die dieser Station zukam, hätte sie mehrere Heliographen sowie Feldsignalgerät und mehr „Signalisten“ benötigt, da sie ein zentraler Kommunikationspunkt für alle Abteilungen der Schutztruppe war, um mit dem deutschen Hauptquartier in Verbindung zu treten.
Mit Beginn des Aufstands auch der Nama verlagerte sich der Schwerpunkt der Kämpfe im Herbst 1904 in den Süden von Deutsch-Südwestafrika, was eine sichere feste Nachrichtenverbindung von der Hauptstadt Windhuk dorthin und mobile Heliographen- sowie Feldsignal-Linien mit hoher Beweglichkeit in die einzelnen Kampfgebiete erforderte.
Im Juli 1905 umfasste die Feldsignalabteilung der Schutztruppe deshalb bereits zehn Signaloffiziere und über 200 „Signalisten“ – auch „Blinker“ genannt – mit 71 Feldsignalapparaten und etwa 36 einzelnen Heliographen sowie umfangreiches Ersatz- und Reservematerial. Vor allem die Betriebsstoffe der Signallampen – Glühplättchen, Acetylen und Sauerstoff – lagerten in Nachschubdepots, die über das ganze Land in den Etappenstationen verteilt waren. In Windhuk und Keetmanshoop arbeiteten zudem Werkstätten zur Reparatur der Signalgeräte.
Im Jahr 1906 gab es ein militärisches Netz von festen Signallinien mit einer Länge von 2.560 Kilometern, wobei allein die Entfernung zwischen den Heliographenstationen in Windhuk und Ramansdrift ganz im Süden 800 Kilometer betrug.

Heliograhenlinie Windhuk — Gibeon,
Bild: Quelle 9
Jede der insgesamt über 70 festen Signal-Stationen war mit zwei bis drei „Signalisten“ besetzt sowie zur Sicherung mit drei bis sechs, bei größerer Gefahr mit bis zu neun Gewehrschützen. Die Errichtung dieser Signal-Stationen orientierte sich am Gelände und verlangte abseits der Wege sowie entfernt von den Wasserstellen große Versorgungsanstrengungen: Gab es keine Erhebungen, zum Beispiel südlich des Waterbergs auf einer Strecke von 200 Kilometern bis Okahandja, wurden bis zu 30 Meter hohe Türme aus zusammengetragenen Steinen und gefüllten Säcken errichtet, aber auch aus anderem natürlichem Wüstenmaterial.

Heliographenturm bei Klein-Nauas,
Bild: Quelle 9
Die gewünschte Ausstattung der Zwischenstationen mit jeweils zwei Signal-Apparaten zur Beschleunigung der Nachrichtenübertragung konnte allerdings nicht umgesetzt werden.
Gleichzeitig gab es etliche bewegliche Signal-Stationen, die die Kampf- und Aufklärungsverbände begleiteten, um die Verbindung zum festen Signalnetz und den anderen Truppenteilen zu halten. Allerdings gab es nicht für jede Kompanie zwei Signalgeräte.
In den Jahren von 1904 bis 1907 existierte so in Deutsch-Südwestafrika eines der größten Lichtkommunikationsnetze, das es weltweit jemals gegeben hat. Ende 1908 gab es aber nur noch im Süden von Deutsch-Südwestafrika, in dem immer noch Guerillakämpfe stattfanden, einige wenige aktive Heliographenlinien mit insgesamt 14 Stationen und 35 zusätzlichen Signalapparaten in Bereitschaft, 21 in Keetmanshoop und sechs in Warmbad: Die Personalstärke der Feldsignalabteilung war auf insgesamt 144 reduziert worden.
Die o.a. erfolgreiche Nutzung von Heliographen und Signallampen lehrte die deutsche Militärführung mit ihrem nahezu grenzenlosen Vertrauen in die moderne Telefon- und Funktechnik jedoch nicht, daß im Krieg die gegenseitige Ergänzung aller Nachrichtenmittel nötig ist: Nach sogar zwischenzeitlicher Abschaffung der optischen Telegraphie in 1911 führte erst die Störanfälligkeit von Telefon und Funk im Stellungskrieg an den Fronten des 1. Weltkriegs ab 1915/16 zum Rückgriff auf die altbewährten Heliographen und Signallampen.
Bis 1912 schritt die technische Entwicklung der Signalgeräte aber nur geringfügig voran: Im selben Jahr wurde noch das „Linsengerät 03“ entwickelt, ein noch einmal verbessertes Signalgerät, da es handlicher und einfacher im Gebrauch war. Darüber hinaus wurden seit 1900 vermehrt Kavallerie-Truppenteile mit Heliographen ausgestattet sowie im Umgang mit diesen ausgebildet, allerdings nicht oder nur kaum mit den neueren Lichtsignalapparaten. Zu Beginn des 1. Weltkriegs gab es deshalb nur sehr Wenige, die im Umgang mit dem „Linsengerät 03“ ausgebildet waren. Vorerst war aber auch die Nachfrage nach sogenannten „Signalisten“ – den späteren „Blinkern“ – nicht sehr groß, da im anfänglichen Bewegungskrieg kaum Bedarf an optischer Telegraphie bestand. Erst als im Herbst 1914 der Stellungskrieg zunächst an der West- und später auch an der Ostfront einsetzte, entsann man sich auf deutscher Seite wieder der optischen Telegraphie als zusätzliches Telekommunikationsmittel mit dem man auf die durch das dichte Artilleriefeuer zunehmend sehr erschwerte Bautätigkeit, Unterhaltung und Instandsetzung bei Drahtverbindungen sowie auf die gegnerische Funkaufklärung reagierte. Neue Frontabschnitte im Hochgebirge der Alpen und Karpaten ab 1915 verstärkten diesen Umstand zusätzlich, da hier kaum Kabel verlegt werden konnten.
Ab Ende August 1915 wurden deshalb wieder Lichtsignal- („Blink“-)Trupps bei den Armee-Telegraphenabteilungen aufgestellt – eine weitere Reaktion auf die o.a. Rahmenbedingungen – insbesondere in der Schlacht um Verdun – war später die Ausstattung der Kampftruppe mit tragbaren Lichtsignal-/Blinkgeräten und die Aufstellung von Lichtsignal-/Blinkabteilungen auch innerhalb der Korps-Fernsprechabteilungen.
Eine Handvoll interessierter Offiziere trug dazu zunächst sämtliche vorhandenen „Linsengeräte 03“ zusammen und bildete einige Trupps an diesen Geräten aus, um sie direkt an die Front zu schicken. Das „Linsengerät 03“ war jedoch längst veraltet und erwies sich für den Fronteinsatz zumeist als wenig tauglich, weshalb es im Sommer 1916 endgültig ausgesondert wurde. Hier kam nun wieder die Firma Zeiss aus Jena ins Spiel: Dort hatte man bereits an einem verbesserten Gerät gearbeitet, dem Spiegelsignalgerät „AS 14“, das die ersten wirklich durchschlagenden Erfolge auch unter feldmäßigen Bedingungen erzielt hat: Das Zeiss’sche Gerät erwies sich als überaus fronttauglich und wurde nun gegenüber allen anderen Geräten bevorzugt, was u.a. auch darauf zurückzuführen ist, daß die Firma Zeiss schon in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg kontinuierlich mit dem Militär zusammengearbeitet hatte.



Die Verbindung nach Jena wurde nun auf Wunsch des Heeres weiter intensiviert: Zunächst sollte zwar die Ausbildung der neuen Mannschaften, welche für die optische Telegraphie vorgesehen waren, noch in Berlin-Treptow und ‑Schöneberg erfolgen, bald darauf zeigte sich aber, daß es günstiger war, eine Signal-Ersatzabteilung möglichst in der Nähe des Zeiss-Werkes in Jena aufzustellen — dies erfolgte am 21. Juni 1915.
Der kahle, 363 Meter hohe „Windknollen“ auf dem Schlachtfeld von 1806 („Schlacht bei Jena und Auerstedt“) nordwestlich von Jena bzw. der südostwärts davon gelegene „Landgrafen“(-Berg; 298 m) mit guter Sicht auf weitere Berge im unmittelbaren Umland boten zudem beste Voraussetzungen als Übungsgelände für die praktische Ausbildung der sogenannten „Signalisten“, aber auch für die Erprobung neuer Lichtsignalgeräte: So wurden nicht nur der „Landgrafen“, auf dem nach dem 1. Weltkrieg das Denkmal für die gefallenen Blinker errichtet wurde, sondern auch der „Jenzig“ (385 m), der „Hausberg“ (392 m), der „Forst“, die „Kernberge“ (392 m), der „Bismarckturm“ (349 m) auf dem „Tatzend“, die „Sonnenberge“ (323 m) und andere Geländeerhöhungen um Jena als Signalpunkte genutzt – selbst auf der „Leuchtenburg“ (395 m) bei Kahla knapp 20 Kilometer südlich von Jena hatten sich die Blinker einquartiert. Aber auch die nähere Umgebung wurde genutzt, so etwa der Turm der Kirche von Vierzehnheiligen (341 m) rund sieben Kilometer nordwestlich von Jena. Den zentralen Signalpunkt bildete dabei stets die Sternwarte beziehungsweise das Dach des Hauptgebäudes des Zeiss-Werks (185 m) in Jena.

Signalpunkte im Raum um Jena
1 = „Windknollen“,
2 = „Landgrafen“,
3 = „Jenzig“,
4 = „Hausberg“,
5 = „Forst“,
6 = „Kernberge“,
7 = „Bismarckturm“,
8 = „Sonnenberge“,
9 = Vierzehnheiligen
und Z = Zeiss-Werk
Graphik: Autor auf Grundlage von „Thüringen Viewer“ unter https://thueringenviewer.thueringen.de/thviewer3/index.html#


Ausbildung an Lichtsignalgeräten – auf dem Dach des Zeiss-Hochhauses in Jena und im Gelände, Bilder: Quelle 4
Anfänglich wurden in dieser Signal-Ersatzabteilung vor allem Soldaten, die bereits Vorkenntnisse — sei es in technischen Belangen oder im Morsen — aufwiesen, ausgebildet. Da diese Mannschaften aber nach und nach zur Front abgingen, mussten schließlich auch Soldaten ohne Vorkenntnisse zu „Signalisten“ ausgebildet werden, wodurch die Mannschaftsstärke der Abteilung innerhalb kurzer Zeit auf bis zu 1.000 anwuchs.
Durch diese steigende Zahl der Rekruten musste bald ein geeignetes Gebäude gefunden werden, welches als „Kaserne“ für die Blinker dienen sollte: Die Carl-Zeiss-Stiftung stellte daraufhin das „Volkshaus“ zur Verfügung, in dem die theoretische Ausbildung und Verpflegung stattfanden.

Die »Kaserne« der Signal-Ersatzabteilung, das „Volkshaus“ in Jena,
Bild: Quelle 13


Blinker vor dem „Volkshaus“ in Jena – An Gerät ist v. l. zu sehen: Das »Spiegelsignalgerät AS 14« der Firma Carl Zeiss, ein Okular um die ankommenden Lichtzeichen zu beobachten und ein Heliograph, der mittels Sonnenlicht ebenfalls für das Senden von Lichtzeichen verwendet wurde, Bilder: Quelle 4 und 13
Die Ausbildungszeit neuer Rekruten ohne Vorkenntnisse betrug mindestens sechs bis acht Wochen: Danach wurden sie in Feld‑, Festungs- oder Gebirgssignaltrupps zusammengefasst und von Jena aus an die Front geschickt. Ein solcher Trupp umfasste sechs Mann: Der Truppführer war meist ein Unteroffizier, dazu kamen ein Stellvertreter – ein Gefreiter – und nicht zuletzt vier „Signalisten“.

Feldsignaltrupp an der Vogesenfront im Mai 1917 –
rechts ist das ›Spiegelsignalgerät AS 14‹ der Firma Zeiss zu sehen, in der Mitte ein Heliograph und links ein Fernrohr zur Beobachtung der ankommenden Lichtzeichen,
Bild: Quelle 12
Die Rekrutierung für die Königlich Preußische Signal-Ersatzabteilung erfolgte vorwiegend aus den thüringischen Kleinstaaten und den angrenzenden Gebieten, so vor allem aus Jena selbst, aber auch aus Weimar, Apolda, Ilmenau, Erfurt, Gera, Greiz, Eisenach und Suhl bis hin nach Kassel. Berücksichtigt wurde dabei eine gewisse technische Eignung oder Vorbildung.
Ein gutes Jahr nach der Aufstellung der Königlich Preußischen Signal-Ersatzabteilung wurde diese ab Mitte August bis 14. Oktober 1916 von Jena nach Königswusterhausen bei Berlin verlegt, wo eine ehemalige Funkerkaserne frei geworden war, aber vollkommen andere Rahmenbedingungen für die Ausbildung als in Jena bot – speziell hinsichtlich der geographischen Beschaffenheit der Landschaft. Ungeachtet dessen blieb Jena dennoch der Mittelpunkt für das Lichtsignalwesen, da Zeiss auch weiterhin die Signalgeräte für das Heer lieferte und wartete.
Die Königlich Preußische Signal-Ersatzabteilung bestand danach noch bis Juli 1917, dann wurde sie im Rahmen der Reorganisation der Telegraphentruppe in Nachrichtentruppe aufgelöst und in diese eingegliedert. Im gesamten Zeitraum des Bestehens dieser Abteilung wurden 670 Unteroffiziere und 5.200 „Signalisten“ für 661 Feld‑, 54 Festungs- und 8 Gebirgssignaltrupps für den Frontdienst feldmäßig ausgebildet: Die Entwicklung und Verbesserung der verwendeten Signalgeräte schritt dabei kontinuierlich fort.
So wurden ab 1916 in der deutschen Armee – neben dem weiterhin mit Karbid betriebenen „Großen Blinkgerät“ (G‑Blink 16) – auch mit Glühlampen bestückte elektrische Blinkscheinwerfer – zum Beispiel „Mittleres Blinkgerät“ (M‑Blink 16) und „Kleines Blinkgerät“ (K‑Blink 16) – eingeführt, deren Energiezufuhr durch Batterien oder einen Kurbeldynamo erfolgte und die samt technischem Zubehör (u.a. Monokulare und Beobachtungsfernrohre) auch von den Zeiss-Werken in Jena hergestellt wurden – Blenden, Projektionsoptiken und zum Teil Rotlichtfilter sorgten zudem dafür, daß der Gegner die Blinkzeichen nicht mitlesen konnte.




„Großes Blinkgerät“ (G‑Blink 16), Bilder: Quelle 8, 7 und 10



„Mittleres Blinkgerät“ (M‑Blink 16), Bilder: Quelle 8 und 7

„Kleines Blinkgerät“ (K‑Blink 16),
Bild: Quelle 7
Im April 1917 wurden im Rahmen der Reorganisation der Telegraphentruppe in Nachrichtentruppe die (Licht-)Signaltrupps umbenannt und nun als Blinkertrupps bezeichnet sowie – unter Eingliederung in die Nachrichtentruppe – zur Aufstellung von Blinkerzügen bei den Divisions-Fernsprechabteilungen zusammengefasst: Bei Kriegsende 1918 gab es dann 72 Heeres-Blinker-Züge.
Noch vor dem Ende des 1. Weltkrieges schlossen sich die „Signalisten“ zu einem Veteranenverein zusammen, dem „Verein ehemaliger Blinker”, der im Oktober 1918 in ihrer alten Garnison Jena gegründet wurde. Interessanterweise folgte erst am 19. Februar 1919 der Aufbau eines Dachverbands als „Bund der Vereine ehemaliger Blinker Deutschlands” in Berlin, der die einzelnen Ortsgruppen zusammenfasste und dessen Ortsgruppe Jena besonders aktiv sowie mit 200 Mitgliedern (Stand 1925) wohl auch die größte war sowie deren Großteil aus Jena, Apolda und Umgebung stammte. Auf Initiative dieser Ortsgruppe erfolgte auch die Errichtung des „Blinker-Denkmals“ auf dem „Landgrafen“(-Berg) bei Jena, welches auf allen Seiten je ein großes Eisernes Kreuz mit jeweils drei Lorbeerblättern in den vier Ecken und in großen Lettern die Inschriften „1914 UNSEREN HELDEN 1918“ sowie „DIE DEUTSCHEN BLINKER“ unter einem überdimensionalen Stahlhelm des kaiserlichen Feldheeres zeigte und das der „Bund der Vereine ehemaliger Blinker Deutschlands” aus eigenen Mitteln finanzierte: Die Grundsteinlegung zu diesem Denkmal erfolgte am 12. September 1920.


Blinkerdenkmal auf dem Landgrafenberg in seiner ursprünglichen Form von 1921, Bild: Quelle 12 und 5
Anlässlich seiner Einweihung bereits am 29. Mai 1921 kamen eigens 160 ehemalige „Blinker“ aus ganz Deutschland nach Jena: Nach der „Weiherede“ durch den örtlichen Pfarrer folgten weitere kurze Ansprachen, unter anderem durch den 1. Vorsitzenden des Bundes ehemaliger Blinker und durch Vertreter der Stadt Jena. Zum Abschluß folgte eine Kranzniederlegung durch Vertreter des Reichswehrministeriums, durch Offiziere der Reichswehr und nicht zuletzt durch den Bund ehemaliger Blinker selbst.

Einweihung des Blinkerdenkmals am 29. Mai 1921,
Bild: Quelle 3
Während es in der Nachrichtentruppe der Reichswehr noch bis mindestens Mitte der 1920er-Jahre Blinkertrupps in den gemischten Nachrichtenzügen der beiden Kompanien der Divisionsnachrichtenabteilungen gab, blieb es um das Blinkerdenkmal lange Zeit danach ruhig: Nach dem 2. Weltkrieg und Gründung der DDR besann man sich in Jena aber wieder des Denkmals auf dem „Landgrafen“(-Berg) – offensichtlich sah die DDR als ›Arbeiter- und Bauernstaat‹ in ihm ein Symbol für Kriegsverherrlichung und vermeintlich ›falsches‹ Heldentum, sodaß man das Blinkerdenkmal ›entmilitarisierte‹, wodurch es sein ursprüngliches Aussehen verlor: Der Stahlhelm, der auf dem Denkmal als oberer Abschluss saß, wurde zu einer halbrunden ›Schüssel‹ bzw. ›Kuppel‹ zurückgebaut, beide Inschriften am Gedenkstein „1914 UNSEREN HELDEN 1918“ sowie „DIE DEUTSCHEN BLINKER“ wurden entfernt und die Lorbeerblätter verschwanden aus den Ecken der Eisernen Kreuze, wobei Letztere zudem zu Balkenkreuzen begradigt wurden, so daß die einstige charakteristische Form völlig verloren ging.
Grundlage für diese ›Entmilitarisierung‹ war ein Schreiben des thüringischen Landesamts für Volksbildung an das Stadtbauamt Jena vom 15. November 1946 unter Bezugnahme auf einen Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Thüringen vom 7. November 1946, wonach die Embleme und Aufschriften an sämtlichen Kriegerdenkmälern umgehend entfernt werden müssten. Eine gewisse Rolle mag dabei auch etwa die relative Nähe zu einem sowjetischen Truppenübungsplatz, der sich oberhalb des „Landgrafen“(-Bergs) auf dem ehemaligen Schlachtfeld von 1806 befand, gespielt haben.
Seiner Identität beraubt, verkam nun das einstige Blinker-Denkmal in den folgenden Jahrzehnten zu einem ›namenlosen Steinklotz‹ auf dem „Landgrafen“(-Berg) am Rande dieses sowjetischen Truppenübungsplatzes: Die Natur holte sich nach und nach den Raum, auf dem es steht, zurück, sodaß es immer mehr verwahrloste und in Vergessenheit geriet. Erst 2003 trat es im Zusammenhang der Vorbereitungen für den 200. Jahrestag der Schlacht bei Jena und Auerstedt im Jahr 2006 mit dem Vorschlag seiner Umwidmung in Erinnerung an diese Schlacht gegen Napoleon wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses.
Es sollte aber bis zum Jahr 2004 dauern, ehe man sich von Seiten des Kulturamtes Jena dazu entschloß, etwas gegen den endgültigen Verfall zu unternehmen — dabei standen drei Varianten der Sanierung zur Diskussion: Die erste Variante sah eine Sanierung des damaligen Zustandes vor, mit Anbringung einer Informationstafel, die auf das einstige Denkmal verweisen sollte; die zweite Variante bestand aus der Sanierung und Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes von 1921 und die dritte Variante kam o.a. Vorschlag eines „Jenensers“ nach, das Denkmal zur Erinnerung an die Doppelschlacht von 1806 bei Jena und Auerstedt umzuwidmen.
Letzterer Vorschlag wurde damals von der Stadt Jean und der zuständigen Denkmalschutzbehörde abgelehnt, der grundlegenden Sanierung des Denkmals mit einer bewussten Identifizierung als Kriegerdenkmal des Ersten Weltkrieges jedoch zugestimmt.
Von Anfang an wurde dabei durch das Kulturamt Jena die erste Variante favorisiert und schließlich wenige Jahre später auch umgesetzt: Dennoch sollte es noch bis zum Frühjahr 2009 dauern, ehe mit der Sanierung begonnen werden konnte. Bezeichnend für das Vergessen ist in diesem Zusammenhang auch, daß dieses Denkmal bis 2009 nicht auf der offiziellen Denkmalliste der Stadt geführt wurde und erst in jenem Jahr als pflegewürdiges, stadtgeschichtlich relevantes und kulturhistorisches Merkzeichen eingestuft wurde. Einen weiteren Anstoß für die Sanierung des Blinkerdenkmals lieferte 2008 die Reservistenkameradschaft Jena, die sich bei der Stadtverwaltung um es als Pflegeobjekt bewarb. In mehreren Arbeitseinsätzen, bei denen auch der Jugendarbeitskreis des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge mithalf, wurde das Denkmal durch die Reservistenkameradschaft Jena saniert.

Erster Arbeitseinsatz am Blinkerdenkmal,
Bild: Quelle 4
Dabei wurde jene Variante des Sanierungskonzeptes umgesetzt, die den Zustand nach der ›Entmilitarisierung‹ wiederherstellte – Einziger Kompromiss, der hierbei eingegangen wurde, war die Wiederanbringung der Inschrift „DIE DEUTSCHEN BLINKER“. Im Herbst 2009 konnte so der sanierte Gedenkstein schließlich ein zweites Mal eingeweiht werden, für dessen Pflege mit Umfeld die Reservistenkameradschaft Jena nunmehr auch die Patenschaft übernahm.

Blinkerdenkmal in seiner sanierten Form – Sommer 2013,
Bild: Quelle 12
Unmittelbar neben dem Denkmal wurde eine Informationstafel aufgestellt, die in sehr knappen Sätzen sowie Stichpunkten die Bedeutung des Steines erklärte und ihm damit auch seine ›Identität‹ wiedergab. Eine Fotografie einer alten Ansicht zeigte zudem den ursprünglichen Zustand des Denkmals von 1921 (siehe oben). Weiterführende Informationen aber zur regionalen Bedeutung der Blinker und des Denkmals fehlten hingegen. Gerade Fragen, weshalb es in Jena überhaupt ein solches Monument gibt und was die Blinker während des Ersten Weltkrieges mit Jena in Verbindung bringt, blieben damit unbeantwortet.
Im Mai 2018 ersuchte die Reservistenkameradschaft Jena deshalb um die Erlaubnis, das Blinker-Denkmal wieder in den baulichen Ursprungszustand von 1921 zu versetzen: Dies führte zu kontroversen Diskussionen in der Öffentlichkeit, da kein Eindruck einer symbolischen Remilitarisierung entstehen sollte. Letztlich wurde in Edelstahllettern eine neue, große Inschrift „1914 DEN GEFALLENEN 1918“ und ein steinerner Aufsatz in Form eines stilisierten Stahlhelms mit Blinkgerät (angelehnt an das Leichte Blinkgerät „L‑Blink 17“) angebracht.




Stahlhelm M16 mit Leichtem Blinkgerät „L‑Blink 17“, „L‑Blink 17“ auf Stahlhelm im Einsatz und „L‑Blink 17“ als Handsignalgerät mit Batterietragekasten, Bilder: Quelle 7
So ist nun deutlich zu erkennen, welcher Truppe des Ersten Weltkrieges dieses Denkmal gewidmet ist. Auf Eiserne Kreuze und Lorbeerblätter wurde dagegen bewußt verzichtet.

Blinkerdenkmal in seiner rekonstruierten Form – Sommer 2021,
Bild: Quelle 3
Das so ergänzte Denkmal wurde am 29. Mai 2021 unter den Klängen des Liedes vom Guten Kameraden erneut eingeweiht, genau 100 Jahre nach der Ersteinweihung.
Weitere Informationen zu diesem einzigen Denkmal für die Blinkertruppe in Deutschland und weltweit werden auf einer ebenfalls eingeweihten neuen Informationstafel präsentiert: Von den ersten Entwürfen bis zum jetzigen Zustand können sich Spaziergänger und Wanderer nun ein Bild der abwechslungsreichen Geschichte dieses Gedenksteines machen.
Quellen und Literatur:
- Didczuneit, Veit: Sonnenblitze in der Wüste — Die Lichttelegrafie in Deutsch-Südwestafrika 1899 –1915, unter: https://dgpt.org/wp-content/uploads/2017/05/Sonnenblitze-in-der-Wüste-Internetvariante-mit-Anmerkungen.pdf
- Doßmann, Axel: Öffentliche Sinngebung, nationale Mobilisierung, politische Umdeutung – Jenas Denkmäler an den ersten Weltkrieg; in: Hellmann, Birgitt/Mieth, Matias: Heimatfront – Eine mitteldeutsche Universitätsstadt im Ersten Weltkrieg, Seite 333 ff.; unter: www.gmoe.uni-jena.de/fileadmin/download/PDF-Texte_Axel_Dossmann/Axel_Dossmann_Jenas_Denkmale_an_den_Ersten_Weltkrieg_2014.pdf
- Heurich, Erik: 100 Jahre Blinkerdenkmal würdig begangen, unter: www.reservistenverband.de/thueringen/jena/aktuelles/100-jahre-blinkerdenkmal-wuerdig-begangen/
- JenaKultur: Faltblatt „Ausstellung zur Königlich Preußischen Signal-Ersatz-Abteilung und den Blinkersoldaten im Ersten Weltkrieg in Jena“ (21.05.–05.06.2016), Jena
- JenaKultur: Neuer Helm am Blinkerdenkmal nimmt Gestalt an, unter: https://blog.jena.de/jenakultur/2021/02/24/neuer-helm-am-blinkerdenkmal-nimmt-gestalt-an/
- Körbs, Michael/Voigt, Immanuel: Blinker — Zwischen Vergessen und Wiederentdeckung/Optische Telegraphie und Signalisten (1880 — 1918), Jena 2016
- Siegel, Eric: FIRST WAR TECHNIK – SIGNAL- und SUCHSCHEINWERFER/ DEUTSCHLAND, unter: http://firstwartechnik.free.fr/Dallprojecteurs.html
- Sonnefeld, A.: Optische Telegraphie; in: DIE UMSCHAU — ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT ÜBER DIE FORTSCHRITTE IN WISSENSCHAFT U. TECHNIK, HEFT 48 – 27. November 1926, Seite 969 ff.
- Uffelmann, Peter: Einsatz der Telegraphentruppe in Nord-China (1900/01) und in Deutsch-Südwestafrika(1904 — 1907), unter: www.fmring.de/tafel-15-der-bildtafelausstellung-fernmeldetruppen-gestern-und-heute/
- Uffelmann, Peter: Umgliederungen der Telegraphentruppe in 1915/16, unter: www.fmring.de/tafel-19-und-20-der-bildtafelausstellung-fernmeldetruppen-gestern-und-heute/
- Uffelmann, Peter: Umgliederung und Umbenennung der Telegraphentruppe in Nachrichtentruppe (1917), unter: www.fmring.de/tafel-21-der-bildtafelausstellung-fernmeldetruppen-gestern-und-heute/
- Voigt, Immanuel: Das Blinkerdenkmal der Feldsignaltrupps des Ersten Weltkriegs in Jena – Erbe und Erinnerungskultur im Dissens; in: „Zeitschrift für Thüringische Geschichte“, Band 68 (2014) – Seite 297 ff.
- Voigt, Immanuel: Jena als Hochburg der ›Blinker‹; in: Das Stadtmagazin für Jena und Region, Mai 2015 – Seite 14 ff.
- Wikipedia-Eintrag zu „Blinker“ unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Blinker_(Militär)
- Wikipedia-Eintrag zu „Blinkerdenkmal Jena“ unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Blinkerdenkmal_Jena
- Wikipedia-Eintrag zu „Heliograph“ unter https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Heliographs?uselang=de#/media/File:Heliógrafo_de_Mance._Utilizado_por_Ejército_portugués_en_1880.jpg
Autor:
Oberst a.D. Peter Uffelmann ist 1. Stellvertretender Vorsitzender des Fernmelderings e.V. und Redaktionsleiter der „F‑Flagge“. Sein Großvater mütterlicherseits (Jahrgang 1898) war 1916 — 1918 Angehöriger der „Blinkertruppe“ und wurde nach seiner Ausbildung in Jena in einem Feldsignaltrupp an der Westfront eingesetzt.