Das Ausbildungszentrum Cyber- und Informationsraum (AusbZ CIR) hat auf seiner Internet-Website in seiner VIDEOGALERIE einen Videofilm zu General der Nachrichtentruppe (GenNachrTr) Erich Fellgiebel veröffentlicht, in dem u.a. dessen Rolle sowie Bedeutung beim Aufbau einer modernen Nachrichtentruppe in den 1930er-Jahren, im militärischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Gewaltregime und am 20. Juli 1944 sowie für die Ausbildung im heutigen AusbZ CIR dargestellt wird.
Anmerkungen und Hinweise der Redaktion:
Neben den im Video gezeigten militärischen Verdiensten von GenNachrTr Fellgiebel bei Entwicklung und Einführung des Feldfernkabels, der Trägerfrequenz-Systeme zur Mehrfachausnutzung von Leitungen, der Panzerfunkgeräte und der Schlüsselmaschine ENIGMA sind noch seine Beteiligung bei
- Vermaschung des Fernkabelnetzes in Deutschland,
- Entwicklung sowie Einführung von „Drehkreuz“-Leitungen/-Achsen,
- militärischer Erschließung des Kurzwellen-Bereichs,
- ersten Versuchen und Erprobungen von Richtfunkgeräten im Dezimeterwellen-Bereich,
- Entwicklung sowie Einführung der Schlüssel-Fernschreibmaschine „Typ 52“,
- Entwicklung und Einführung spezieller Funk-Horchempfänger sowie Funk-Peilempfänger und
- Erarbeitung sowie Festlegung der Grundsätze für den Einsatz der Nachrichtentruppe
erwähnenswert.
Die im Video enthaltene Aussage des Sprechers, daß GenNachrTr Fellgiebel im Ersten Weltkrieg das Versagen der Nachrichtentruppe (NachrTr) am eigenen Leib erlebte, die übrigens bis 1917 noch Telegraphentruppe hieß, ist zumindest eine sehr starke Verkürzung, da sich das “Versagen” im Wesentlichen nur auf den Beginn des 1. Weltkriegs im Rahmen des deutschen Vormarsches an der Westfront beziehen kann und eigentlich auch kein Versagen der Telegraphentruppe war, die leistete, was sie aufgrund ihrer Organisation und technischen Ausstattung leisten konnte, sondern der Führung der Telegraphentruppe bzw.sogar noch mehr der Obersten Heeresleitung bzw. des Generalstabes des Heeres, die sich vorher kaum bzw. keine Gedanken über die Führung derart weiträumiger Operationen gemacht hatten bzw. der Meinung waren, man könne diese wie in den Kaisermanövern überwiegend nur per Telefon führen.
Im Übrigen erlebte GenNachrTr Fellgiebel im Ersten Weltkrieg „am eigenen Leib“ vor allem den erfolgreichen Funkeinsatz im anfänglichen Bewegungskrieg als damaliger Führer einer leichten Funkstation auf Divisionsebene und danach als Funkerkommandeur auf Armee-Ebene – ab Anfang 1916 war er in verschiedenen Generalstabsdienstverwendungen ohne direkten Bezug zur Telegraphen-/Nachrichtentruppe eingesetzt, so daß er deren Einsatz nur noch als Nutzer von Nachrichtenverbindungen erleben konnte.
Spätestens ab 1915/16 kann von einem “Versagen” erst recht nicht mehr die Rede sein, weil man durch organisatorische und technische Maßnahmen auf anfängliche Mängel entsprechend reagierte sowie ab dann bis Ende 1918 ein äußerst leistungsfähiges Nachrichtensystem betrieb, das u.a. überhaupt erst dazu beigetragen hat, trotz immer mehr zunehmender personeller und materieller Überlegenheit der Westmächte den 1. Weltkrieg deutscherseits so lange führen zu können.