Wer am Donnerstag, dem 2. April 2026 über den Marktplatz von Storkow ging, begegnete nicht einfach einer marschierenden Kolonne: Was sich dort formierte, war mehr als militärischer Gleichschritt – es war ein stilles, kraftvolles Bekenntnis. Rund 160 Soldatinnen und Soldaten des Informationstechnikbataillons 381 traten an zum sogenannten „16K3-Marsch“. Ein Marsch, der nicht dem Training dient, sondern dem Erinnern.
Oberfeldwebel Philip G.

Schwere Rucksäcke drücken auf die Schultern, Schritt für Schritt zieht die Formation durch die Stadt: Doch die eigentliche Last ist eine andere. „Wir tun das in Gedenken an gefallene Kameraden“, sagt Hauptfeldwebel Alexander G.: Es ist ein Satz, schlicht formuliert – und doch trägt er das Gewicht einer ganzen Generation von Einsatzerfahrungen.
Im Mittelpunkt dieses Gedenkens steht ein Datum, das sich tief in das kollektive Gedächtnis der Bundeswehr eingebrannt hat: Das Karfreitagsgefecht 2010 in Afghanistan. In der Nähe der Ortschaft Isa Khel gerieten deutsche Soldaten in einen Taliban-Hinterhalt: Was folgte, war eines der verlustreichsten Gefechte der ISAF-Mission. Drei Namen stehen stellvertretend für diesen Tag: Hauptgefreiter Martin Augustyniak, Hauptfeldwebel Nils Bruns und Stabsgefreiter Robert Hartert. Drei Fallschirmjäger, deren Leben im Einsatz endete – und deren Erinnerung bis heute weitergetragen wird.
In der Kantine der Kurmark-Kaserne wird es still, als der Pfarrhelfer in seiner Andacht diese Namen ausspricht – immer wieder: Fast beschwörend. „Solange ihre Namen lebendig bleiben, bleiben auch sie selbst lebendig und frei.“ Worte, die nachhallen, als die Soldaten ihre Ausrüstung aufnehmen und sich sammeln. Der Marsch beginnt nicht mit dem ersten Schritt – sondern mit dem bewussten Innehalten.
Das Konzept des „16K3-Marsches“ ist ebenso einfach wie symbolträchtig: Die Zahl steht für Strecke und Gewicht – 16 Kilometer, 16 Kilogramm Gepäck. Das „K3“ erinnert an die drei Gefallenen. Was einst 2020 als „10K3“ begann, ist über die Jahre gewachsen. Doch es geht nicht um Steigerung um ihrer selbst willen: „Es soll kein Gewaltmarsch werden“, betont Hauptfeldwebel G. Es geht um Haltung, nicht um Härte.
Durch das Haupttor der Kaserne setzt sich die Marschkolonne in Bewegung: Begleitet von Feldjägern führt der Weg über die Bundesstraße hinein ins Zentrum von Storkow, vorbei an Bürgerinnen und Bürgern, die stehen bleiben, schauen, vielleicht auch nachdenken. Der Marsch ist sichtbar – und das ist gewollt. Denn Erinnerung braucht Raum: Auch im öffentlichen Leben.
Die Strecke führt weiter über Wolfswinkel bis zu den Kanalwiesen in Wendisch Rietz, entlang des Storkower Sees und schließlich zurück: Kilometer um Kilometer, Schritt für Schritt. Gespräche verstummen, Gedanken nehmen Raum ein. Kameradschaft zeigt sich hier nicht in großen Gesten, sondern im gemeinsamen Durchhalten.
Was bleibt, ist mehr als körperliche Erschöpfung: Es ist das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Einer Gemeinschaft, die Verantwortung übernimmt – für die Gegenwart und für die Vergangenheit. „Die Gedenkmärsche sind zu einer Herzens- angelegenheit geworden“, sagt Hauptfeldwebel G.: Und man glaubt ihm jedes Wort.
Denn dieser Marsch erzählt eine Geschichte, die über Zahlen hinausgeht: Es ist die Geschichte von Verlust und Zusammenhalt – von Erinnerung und Auftrag. Und von Menschen, die in Uniform dienen – und dabei nie vergessen, warum.
Autor: Oberfeldwebel Philip G. ist IT- und Informationsfeldwebel SK in der 2./ITBtl 381, Storkow (Mark).